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Stammtisch ´99 Kurort Hartha

Herr Gunter Richter
OT Kurort Hartha
Dorfhainer Straße 3
01737 Tharandt

Stammtisch ´99 Kurort Hartha

Der Veranstaltungsplan des Stammtisches´99 Kurort Hartha für das Jahr 2021, den wir infolge der Corona-Pandemie lfd. anpassen, kann ggf. beim Ältestenrat, c/o André Kaiser, Hauptstraße 5c, 01737 Grillenburg, Tel./Fax. 035202-52614, andr.kaiser@gmx.de abgerufen werden. Natürlich stehen alle Veranstaltungen noch unter Vorbehalt der aktuellen Hygiene-Verordnungen.

Zum ersten Vortrag „Trinkwasser – unser wertvollstes Lebensmittel“, dessen Veranstaltung zum Redaktionsschluss dieses Amtsblattes noch ungewiss war, veröffentlichen wir einen Beitrag des Referenten, Herrn Prof. Dr. habil. Klaus Fischwasser, in diesem Amtsblatt.

Der zweite Vortrag 2021 war geplant für

Mittwoch, den 10. Februar 2021, 17.30 Uhr, im Gasthaus Kirchner in Kurort Hartha
zum Thema: „Ärger mit der Steuererklärung? Das muss nicht sein!“
mit der Gesprächspartnerin Frau Petra Preußcher,
Beratungsstellenleiterin im Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) Dippoldiswalde,

Die Veranstaltung kann ebenfalls leider nicht stattfinden.

- Der Ältestenrat -
i.A. André Kaiser

 

 

Trinkwasser - unser wertvollstes Lebensmittel
(aus der Vortragsreihe des Stammtisch`99 Kurort Hartha)

Thesen: Wasser ist Leben. Das verdeutlicht schon die Photosynthese, ein sonnenenergie- getriebener Stoffwandlungsprozess zur Bildung von pflanzlicher Biomasse und Sauerstoff aus Kohlenstoffdioxid und Wasser. Trinkwasser als Lebensmittel ist alternativlos. Schließlich können Flüssigkeitsdefizite, bereits von wenigen Prozent, im Biosystem Mensch erhebliche Dysfunktionen auslösen, bis hin zum Exitus. Aber auch zu viel Wasser kann schädlich sein. Die physikalisch-chemischen Eigenschaften des Stoffes Wasser sind auf Grund der Struktur des Wassermoleküls (Dipol) Ausgangspunkt für zahlreiche Phänomene und Anomalien. Wasser hat deshalb als universelles Lösungs-, Reaktions-, Transport- und Energieübertragungsmittel große Bedeutung für das Leben. Die besonderen Eigenschaften des Stoffes Wasser werden in ihren Wirkungen aber oft überhöht dargestellt und in vielen Fällen auch äußerst fragwürdig vermarktet. Wasser hat ein Gedächtnis! Lebendes Wasser! Energetisiertes Wasser! Strukturiertes Wasser! Aktivwasser! Das sind Begriffe, mit denen häufig kommerziell geworben wird. Zu dieser esoterisch erscheinenden Tendenz erfolgt aus der Sicht des Wasserchemikers anhand des Beispiels "Grander-Informationswasser" ein kritischer Kommentar. Spricht man über Trinkwasser, ist eine quantitative und qualitative Dimension zu berücksichtigen. Quantitativ spielen die Wasservorräte und Wassermengenverteilung über den natürlichen Wasserkreislauf eine entscheidende Rolle, wenn die Rohwasserverfügbarkeit für die Trinkwassergewinnung betrachtet wird. Qualitativ geht es um die Rohwassergüte und um die Einhaltung vorgegebener Grenzwerte für das Trinkwasser gemäß bestehender Verordnungen, z.B. der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) in Deutschland. Global gesehen könnten die Wasservorräte von ca. 1,4 Milliarden km³ optimistisch stimmen. Aber der größte Teil davon ist Meerwasser, nur ca. 0,6% sind Süßwasser; das als Grund- und Oberflächenwasser (Rohwasser) für die Trinkwassergewinnung nutzbar ist. Dieser geringe Anteil ist zudem global und regional höchst ungleich verteilt, wobei sich diese Situation infolge des Klimawandels noch deutlich verschärfen wird.

Regionale Extremwetterereignisse, das heißt starke Niederschläge mit Hochwasser und Überschwemmungen einerseits, dagegen lange Hitzeperioden mit Wassermangel infolge Verdunstung und Grundwasserabsenkung andererseits, weisen im Ergebnis zwar auf eine Mengenproblematik hin, aber auch auf einen engen Zusammenhang zwischen Wassermengenverteilung und Rohwassergüte. Besorgniserregend ist die Information, dass gegenwärtig weltweit über 1,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu qualitätsgerechtem Trinkwasser haben. Berücksichtigt man den Wassermangelindex, herrscht bei einer Pro Kopf-Verfügbarkeit an Süßwasser für menschliche Aktivitäten von weniger als 500 m³/a bereits Wassermangel, so dass Länder wie z.B. V.A.R, Libyen, Saudi-Arabien und Jordanien mit 10...132 m³/a als extrem unterversorgt gelten. Kanada ist dagegen mit mehr als 90.000 m³/a deutlich überversorgt, so dass bereits Wasserexport zur Diskussion steht. Insgesamt ist aber davon auszugehen, dass derzeit über 1/5 der Weltbevölkerung mit weniger als 500 m³/a auskommen muss. Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch das virtuelle Wasser, das industriellen und landwirtschaftlichen Produkten zugeordnet werden muss (z.B. ca. 15 m³/kg Rindfleisch). Dadurch ergeben sich insbesondere in wasserarmen Regionen der Erde zusätzliche Risiken hinsichtlich Süßwasserverfügbarkeit zur Trinkwassergewinnung. Ein Beispiel dafür ist die fortschreitende Regenwaldvernichtung zwecks Erweiterung der Landwirtschaft, verbunden mit einer deutlichen Grundwasserabsenkung infolge Übernutzung der Ressource Grundwasser für die Bewässerung. In Trockenregionen sollte deshalb auf wasserintensive und exportorientierte Agrarnutzung verzichtet werden. Die Zunahme von Konflikten um Wasser als Lebensgrundlage ist vorprogrammiert, wenn nicht weltweit drastisch gegengesteuert wird. Aktuelles Beispiel für eine Konfliktsituation mit hohem Konfliktpotential: Blauer Nil; Stausee und Wasserkraftwerk in Äthiopien zur Sicherung der Energieversorgung; dafür lebensbedrohlicher Wassermangel im Sudan und in Ägypten. Besorgniserregend ist auch die Tatsache, dass weltweit ca. 2,6 Milliarden Menschen ohne sanitäre Grundversorgung leben müssen. Es ist ein Indiz dafür, dass die Verknappung der Ressource Süßwasser für den menschlichen Bedarf eng mit der Verschlechterung der Wasserqualität infolge unsachgemäßer Nutzung des Wassers, z.B. Verschmutzung durch unzweckmäßige Düngung in der Landwirtschaft, Sanitärdefizite, ungenügende Abwasserbehandlung u.a., verknüpft ist.

Bevölkerungswachstum und -verdichtung spielen dabei eine wichtige Rolle. Deutschland galt bislang hinsichtlich seiner Wasservorräte und der regionalen Wassermengenverteilung als relativ unproblematisch. Aber auch hier zeigt sich, dass Extremwetterereignisse infolge Klimawandel zunehmen. Das Rohwasserressourcen-Management wird sich darauf einstellen müssen, um die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung nach Menge und Qualität auch zukünftig garantieren zu können. Ein Schwerpunkt ist das Grundwasser (Absenkung des Grundwasserspiegels infolge Dürreperioden, Anstieg von Schadstoffkonzentrationen (Nitrat, Pestizide) durch intensive landwirtschaftliche Düngung). Es zeigt sich bereits eine Nutzungskonkurrenz zwischen Wasser- und Landwirtschaft mit Prioritätsansprüchen. Neue Regionalkonzepte gehen deshalb davon aus, zukünftig tiefer liegendes, sogenanntes fossiles Grundwasser zu nutzen.

Am Beispiel des Versorgungsgebietes Dresden wird gezeigt, dass die Trinkwasserversorgung bislang noch funktioniert hat. Das Rohwasser (insgesamt ca. 100.000 m³/d, an heißen Tagen auch bis 150.000 m³/d) stammt aus Talsperren des Osterzgebirges (über 50% für WW Coschütz) sowie aus Grundwasser bzw. Uferfiltrat aus dem Elbtal (für die WW Hosterwitz und Tolkewitz). Der zentrale Wasserversorger DREWAG verfügt hinsichtlich Aufbereitungstechnik und Qualitätssicherung (akkreditiertes Labor im WW Coschütz) über die Voraussetzungen, die Grenzwerte gemäß TrinkwV einzuhalten. Eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit und wasseranalytische Dienstleistungstätigkeit unterstreichen, dass man Trinkwasser tatsächlich als das am besten kontrollierte Lebensmittel bezeichnen kann. Aber die TrinkwV limitiert nur eine Auswahl von Problemstoffen.

Deutschlandweit ist jedoch festzustellen, dass eine Vielzahl zusätzlicher bekannter, aber auch noch unbekannter Problemstoffe aus Landwirtschaft, Gewerbe, Altlasten, Krankenhäusern und Privathaushalten die Rohwassergüte verschlechtern und somit eine Gefahr für die Trinkwasserqualität darstellen. Tendenz steigend. Beispiele für Mikroschadstoffe, die in Kläranlagen nicht oder nur ungenügend eliminierbar sind (synthetische Östrogene, Schmerzmittel Diclofenac und Ibuprofen u.a.) oder Problemstoffe, die direkt in das Gewässer, insbesondere in das Grundwasser gelangen (Pestizide, Glyphosat, Nitrat) werden im Vortrag diskutiert.

Eine wichtige Maßnahme ist deshalb das Integrierte Wasser-Ressourcen-Management, das hinsichtlich Rohwassergütebewertung der Vielzahl persistenter organischer Problemstoffe, teilweise mit PMT-Eigenschaften (persistent, mobil, toxisch), und deren Transformationsprodukten Rechnung trägt. In diesem Zusammenhang wird auch das Konzept der Non-Target-Analytik kurz erläutert. Die Betonung liegt auf "integriert". Neben der Kenntnis komplexer Stoffstrukturen, problematischer Einzelstoffe, ihrer Transformationen, Remobilisierung und Verteilung im Gewässer, der Eliminierbarkeit bei der Rohwasseraufbereitung zu Trinkwasser sowie der Nutzung des Selbstreinigungspotentials des Ökosystems geht es insbesondere auch um Maßnahmen, den Eintrag problematischer Stoffe in die Kläranlagen und direkt in das Gewässer zu minimieren. Letzteres ist eine entscheidende Voraussetzung für die Vermeidung kostenintensiver Investitionen in den Bereichen Abwasserbehandlung (4. Reinigungsstufe) und Wasseraufbereitung.

"Wasser, das den Qualitätsanforderungen der TrinkwV entspricht, bietet hohe Sicherheit und bedarf keiner zusätzlichen Aufbereitung." So lautet die Meinung der Fachexperten. Dennoch kommen zunehmend häusliche Trinkwasser-Nachbehandlungssysteme zum Einsatz, die von zahlreichen Firmen den Verbrauchern angeboten werden.

Daraus leiten sich Fragen ab:
 Sind derartige Nachbehandlungssysteme grundsätzlich abzulehnen?
 Gibt es Gründe, einen differenzierten Einsatz sogar zu empfehlen?
 Fördern die Vermarktungspraktiken der Anbieter einen fachlich vertretbaren Einsatz?
 Sind die angebotenen Verfahren zweckmäßig?
 Ist im Einsatzfall eine fachgerechte Überwachung gesichert?

Zu diesen und eventuell weiteren Fragestellungen wird unter dem Aspekt, dass Schadstoffbelastungen des Trinkwassers aus verschiedenen Gründen nicht auszuschließen sind, kritisch Stellung genommen. Abschließend wird noch auf einige spezielle Verfahren der Trinkwassergewinnung kurz eingegangen, z.B. Meerwasserentsalzung und kleine Nutzungscyclen bei der direkten Aufbereitung von Abwasser zu Trinkwasser.

Fazit: Gewässer sind das Bindeglied zwischen Abwasser und Trinkwasser. Dem Schutz der Gewässer als Rohwasserressource für die Trinkwassergewinnung vor dem Eintrag von Schadstoffen kommt deshalb prioritäre Bedeutung zu. Der enge Zusammenhang zwischen regionaler Rohwasserverfügbarkeit nach Menge und Qualität und globalem Klimawandel, stellt das integrierte Rohwasser-Management vor große Herausforderungen.

Quellen: Liegen beim Autor vor und wurden/werden im Rahmen des Vortrages genannt.

Prof. Dr. Klaus Fischwasser, Dresden im Dezember 2020

 


 


 

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