Beiträge zur Heimatgeschichte (2)
Stand: 12. Juni 2006 - «Home»

Stadt Tharandt

Pfarrhaus Fördergersdorf

- André Kaiser, Kurort Hartha -

Die wechselvolle Geschichte des Pfarrhofes reicht bis in die Zeit der Ortsgründung zurück. Die Kirche entstand im 12. Jh. als romanischer Saalbau für die Waldhufendörfer Förder- und Hintergersdorf (seit 1933 Unterdorf von Kurort Hartha). Die bemerkenswerte Ausstattung der Entstehungszeit mit Innen- und Außenwandmalereien ist offensichtlich auf ihre Funktion als Begräbniskapelle der Burg Tharandt am Verbindungsweg nach Meißen sowie der damaligen Lage am "Heiligen Weg", einem Pilgerweg von Böhmen nach Meißen, zurückzuführen.

Bereits 1346 soll die alte Meißner Bistumsmatrikel die Kirche Fördergersdorf im Erzpriestersprengel Wilsdruff mit einer gut ausgestatteten Pfarre verzeichnen. Sicher ist jedoch die Erwähnung Hinter- und Fördergersdorfs als "Geierßdorff" in der Meißner Bistumsmatrikel von 1495. Neben diesen Orten gehörten damals die Zeidler (Bienenzüchter und Waldaufseher) vom Pohrsdorfer Rand und von Hartha sowie bis 1555 auch das heutige Tharandt (Granaten) zur Fördergersdorfer Kirchgemeinde. Die Visitationsniederschrift von 1539 erwähnt im Zubehör des Pfarrlehns Fördergersdorf jedoch nur eine geringe Behausung für den Pfarrer, die die Gemeinde bessern solle. Der Neubau der im Hussitenkrieg 1430 zerstörten Kirche bis 1517 und deren Ausstattung dürfte das Geld der Kirchgemeinde gebunden haben. Neben dem schon 1539 genannten Hopfengarten gehörte seit 1555 auch ein Brauhaus zur Fördergersdorfer Pfarre. Denn der Pfarrer hatte, neben dem Ortsrichter, in Fördergersdorf von altersher ein abgabenfreies Braurecht. Er durfte lt. Anordnung des Oberkonsistoriums vom 2. Juni 1618 sogar soviel Bier brauen und an die Einwohner verkaufen wie er wolle, nur im Pfarrhaus selbst nichts ausschenken. Erst 1844 wurde mit dem Verkauf des Schankrechtes für den Gasthof dieser sogenannte "Reihenschank" von der Kommune beendet.

Das Pfarrhaus errichtete man nach der Reformation, die in Fördergersdorf 1539 Einzug hielt, im Jahre 1581 neu. Über dessen Kellergewölben entstand 1701 das heutige, stattliche Gebäude mit einem z.T. verbretterten Fachwerkobergeschoss. Der Dreiseithof besteht des Weiteren aus einem Wohnstallhaus und einer Scheune, die nach dem Brand des Hofes 1797 wohl auch auf älteren Grundmauern neu entstanden.

Zur Restaurierung der Kirche und des Pfarrhofes wurde in den letzten Jahren viel investiert, um sie als ortsbildprägende Baudenkmale und in ihren Funktionen für die Kirchgemeinde zu erhalten. Ein Rückschlag war jedoch der Abbruch des einsturzgefährdeten Treppenaufganges zur Orgelempore an der Südaußenwand der Kirche. An seiner Stelle soll nun nach historischem Vorbild ein hölzerner Aufgang als notwendiger Fluchtweg von der Empore im Brandfall entstehen. Eine Abbildung aus der Kirchengalerie zeigt ihn Anfang des 19. Jh. als Zugang zur ehemaligen Loge der Spechtshausener Forstmeister. Eine Unterstützung des Vorhabens der Kirchgemeinde, z.B. durch Handwerker des Ortes und das Sächsische Forstamt Tharandt, wäre wünschenswert, da es keine Aussicht auf eine Förderung dafür gibt. Schließlich steht das Gotteshaus als bedeutendes Baudenkmal nicht nur Kirchgängern offen und bildet auch für beliebte Konzerte einen stimmungsvollen Rahmen.

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Hochwasser im August 2002 in Tharandt
- Gerd Bröchler, Freital -

Das sich um den 9./10. August 2002 über dem Golf von Genua aufhaltende Tiefdruckgebiet "Ilse" zog langsam - randvoll vollgesogen mit Wasser - über die Alpen, Österreich und die Slowakei gegen Norden. Der Deutsche Wetterdienst in Leipzig meldete am Sonntag, dem 11. August, unbeständiges Wetter: "... es kann schon mal ein Tag mit sehr ergiebigem Regen dabei sein ...". Gegen 14 Uhr gab es eine Vorwarnung für ein Unwetter: 40 bis 60, stellenweise bis zu 80 Liter pro Quadratmeter werden von Montagmittag bis in die Nachtstunden für möglich gehalten. Beim Überqueren des Erzgebirgskamms sammelten sich einzelne kleinere Tiefdruckgebiete aufgrund des Staueffektes zu riesigen Wolken. In der Nacht zum Montag kam es dann aus bis zu 13 km hohen Wolken für unsere Breiten zu extrem starken Niederschlägen, es ergaben sich dabei Niederschlagsmengen von 250 bis 406 Liter pro Quadratmeter über zwei Tage verteilt, das war etwa 40 % der gesamten Jahresmenge. Auf Grund dessen schwollen die Flüsse und Bäche, u. a. Rote Weißeritz und Wilde Weißeritz und ihre Zubringer, in kurzer Zeit zu reißenden Strömen an.

Die Talsperren Malter ("Rote Weißeritz"), Lehnmühle und Klingenberg (beide "Wilde Weißeritz") waren binnen weniger Stunden zum Überlaufen voll, sie hatten zu Beginn der starken Niederschläge ein gesamtes Reststauvermögen von 8 Mio. Kubikmeter. Zugeflossen seien in der fraglichen Zeit insgesamt aber 40 Mio. Kubikmeter, allein die Talsperre Malter hätte 20 Mio. Kubikmeter bei einer Gesamtkapazität von 9,2 Mio. Kubikmeter aufnehmen müssen (SZ vom 30.08.2002). Die Talsperre Lehnmühle hatte am 12. August gegen 19 Uhr einen Zufluss von 80 Kubikmeter pro Sekunde und konnte über ihre normalen Ablässe nur 20 Kubikmeter pro Sekunde ablassen. Nach kurzer Zeit kam es hier zum Überlaufen der Staumauer und die Wassermassen bewegten sich zur darunter liegenden Klingenberger Talsperre, die in der Folge ebenfalls überlief. Bei den letzten Hochwassern 1927 und 1954 wurden die Abflussmengen der Klingenberger Talsperre mit 90 Kubikmeter pro Sekunde geschätzt, am 12. August dürften es 130 Kubikmeter pro Sekunde gewesen sein (SZ vom 03.09.2002).

Der Geschäftsführer der Sächsischen Landestalsperrenverwaltung, Herr Glasebach, führte hierzu in der Sitzung des Stadtrates am 8. Oktober 2002 ergänzend an (auszugsweise):  "Es gab im Oberland, um Altenberg und Zinnwald, Niederschläge von 400 mm in 48 Stunden. Eine solche Menge ist in Deutschland noch nie gemessen worden. Auf Grund der Zuflüsse, die wir exakt an den Talsperren gemessen haben, kann ich sagen, dass wir in Klingenberg 170 m³ je Sekunde über die Talsperre transportieren mussten. Diese Wassermenge ist etwa die Hälfte der Elbe-Wassermenge, bei Mittelwasser transportiert diese etwa 320 m³ pro Sekunde. Im Einzugsgebiet der beiden Talsperren Malter und Klingenberg, jeweils etwa 100 km², sind nach der Grobermittlung - die Feinermittlung läuft gegenwärtig noch - pro Einzugsbereich etwa 20 Mio. m³ Niederschlag gefallen. Ich kann versichern, dass alle Hochwasserschutzräume der drei Talsperren in Größenordnungen frei waren. Wir haben die Pflicht, Hochwasserschutzräume mit einem Volumen von 6,5 Mio. m³ freizuhalten, frei waren tatsächlich 8,5 Mio. m³. Es kommt immer wieder die Frage, warum habt ihr denn nicht die Talsperren abgelassen. Dies ist technisch, wenn es gestattet wäre, nicht so ohne weiteres möglich. In Klingenberg können beispielsweise von den technischen Einrichtungen her 10 m³ pro Sekunde abgelassen werden, das bedeutet, dass sich das Ablassen über 14 bis 17 Tage, je nach Füllmenge, erstrecken würde. Die drei Talsperren waren bis zur Spitze überlastet. Ab Montag 10.30 Uhr wurden alle Krisenstäbe regelmäßig über die Entwicklung der Lage an den Talsperren und über Prognosen der Überläufe auf Grund der Zuflussentwicklung im Einzugsgebiet informiert. Es gab keine Zuflusspegel mehr, die noch im Betrieb gewesen wären, so dass die Zuflüsse durch Berechnungen der Staumeister ermittelt werden mussten und auch der Zeitpunkt, an dem die Talsperren überlaufen werden. Das Überlaufen der Talsperre Malter wurde für den Montag um 20.15 Uhr und der Klingenberger um 0.15 Uhr des folgenden Tages berechnet. Aber bei den vorhandenen Zuflüssen, Malter allein 220 m³ pro Sekunde, mehr als in Klingenberg, ließ sich nichts mehr steuern und regeln, die Talsperren waren in kurzer Zeit voll und liefen über."

Wegen des bedrohlichen Anschwellens des Schloitzbaches am Vormittag des 12. August und ausgehend von den Erfahrungen vorheriger starker Niederschläge wies der Bürgermeister den Bauhofleiter gegen 13.00 Uhr an, die vorhandenen Sandsäcke füllen zu lassen. Danach wurden durch den Bauhof und von den Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Türen von Wohnhäusern und Geschäften sowie Kellerfenster der anliegenden Grundstücke mit Sandsäcken gesichert. Ab dem Nachmittag wurde die Freiwillige Feuerwehr Kurort Hartha alarmiert und zur Unterstützung in den Ortsteil Tharandt beordert (Laut Bauhofleiter Kuhnert, 10.09.2002).

Am Nachmittag des 12. August wurde um 13.34 Uhr im Weißeritzkreis Katastrophenalarm ausgelöst, die Gemeinden wurden davon eine Minute später informiert (laut Landrat Greif, SZ vom 27.08.2002). In Tharandt konzentrierte man sich nach dem Auslösen des Katastrophenalarms nach wie vor auf das vom Schloitzbach duchflossene Stadtgebiet mit der Roßmäßler- und der Dresdner Straße. An das Badetal mit der "Wilden Weißeritz" wurde nicht vorrangig gedacht, da einerseits das Flüsschen noch in den Nachmittagsstunden nicht mehr Wasser führte als sonst (SZ vom 27. 08.2002) und andererseits die als sicher geltenden Talsperren Lehnmühle und Klingenberg als Bollwerke gegen Hochwasser vorhanden waren. Bis zum Abend des 12. August hatte keine der verantwortlichen Stellen eine Meldung abgegeben, dass eine der beiden Talsperren überlaufen könnte bzw. wenn eine solche abgegeben worden sein sollte, hat sie die Verantwortlichen der Stadt Tharandt nicht erreicht.

Gegen 20.30 Uhr erhielt der Tharandter Bürgermeister, Herr Hagen Sommer, über sein privates Funktelefon von einer nicht mehr zu benennenden Person (SZ vom 27.08.2002: "Wahrscheinlich einer vom Landratsamt.") die Mitteilung, dass die Klingenberger Talsperre in Kürze mit dem Ablassen von bis zu 120 Kubikmetern Wasser pro Sekunde beginnen würde und die Evakuierung der Bewohner des Badetales empfehlenswert sei. Eine andere Version - inzwischen vom Bürgermeister in der Stadtratssitzung am 8. Oktober auf Anfrage bestätigt - übermittelte der oben schon erwähnte Herr Kuhnert: Er habe am Nachmittag bei Hilfeleistungen nahe der Forellenzucht Voss vom Inhaber die Telefonnummer des Staumeisters der Talsperre Klingenberg erhalten und gegen 20.15 Uhr bei diesem angerufen. Dieser habe ihm gesagt, dass zum Schutz der Talsperreneinrichtungen das Ablassen einer erheblichen Wassermenge vorgesehen sei und dass deshalb eine Evakuierung der Anwohner ratsam wäre, dafür wären noch etwa 2,5 bis 3 Stunden Zeit. Daraufhin habe er (Herr Kuhnert) den Bürgermeister gegen 20.30 Uhr angerufen und ihn von der eben erhaltenen Nachricht informiert. Dass mit dem Ablassen dieser ungewöhnlich hohen Wassermenge  eine Flutwelle von 2 m Höhe verbunden war, wusste mangels Erfahrung zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Der Bürgermeister entschied auf Grund der erhaltenen Informationen von sich aus, den Evakuierungsalarm auszulösen. Er informierte darüber drei Anwohner der Pienner Straße, die in vermutlich vom Hochwasser "bevorzugten" Gebäuden wohnten (zwei davon wurden im weiteren Geschehen auch restlos zerstört), die Herren Revierförster Hammer, Universitätsprofessor Dr. Wienhaus und Forstschulleiter Frenzel (da dieser nicht erreichbar war, sprach er die Nachricht auf dessen Mail-Box), alarmierte die freiwillige Feuerwehr und ordnete die Evakuierung an. Durch die Angehörigen der Feuerwehr wurden alle Anwohner der Pienner Straße ab 21.30 Uhr von der bevorstehenden Evakuierung unterrichtet, die anschließende Evakuierung von 275 Personen (SZ vom 27.08.2002), teilweise zu Fuß oder mit eigenem Pkw, teilweise mit Feuerwehr-Fahrzeugen, erfolgte bis 0.30 Uhr des 13. August auch unter Hilfe von Angehörigen des Roten Kreuzes, der Bergrettung und der Diakonie-Sozialstation. Die meisten retteten nur sich selbst und wenige Habseligkeiten. Die evakuierten Einwohner wurden in der Grundschule und in der Mittelschule des Ortsteiles Tharandt untergebracht, zum Teil auch in Hotels, in Ferienwohnungen und im Pfarrhaus.

Die angekündigte Flutwelle erreichte erst gegen 4.30 Uhr, sechs Stunden später als angekündigt, das Badetal. Ab etwa 4.45 Uhr setzte die Überflutung der tiefergelegenen Stellen der Pienner Straße ein, um 5.30 Uhr stand die Kreuzung Pienner Straße/Dresdner Straße voll unter Wasser. Ab diesem Zeitpunkt etwa ordnete die Wehrleitung der freiwilligen Feuerwehr nach Aussage des Ortswehrleiters Bernd Papperitz das Einstellen der Aktivitäten wegen erheblicher Gefährdung der eigenen Angehörigen an.

Nach dem Abklingen des Hochwassers, das war am Vormittag des 14. August, wurden im Badetal, im unmittelbaren Bereich der Kreuzung Pienner/Dresdner Straße und auf der Dresdner Straße Bilder des Schreckens sichtbar:

- drei Wohnhäuser, Pienner Str. 27, 27a und Hinterhaus von Nr. 31, waren gänzlich verschwunden,
- zwei stark beschädigte Wohnhäuser, Pienner Str. 3 und 64 (diese mussten wegen statischer Probleme unverzüglich abgerissen werden),
- fünfundfünfzig Wohngebäude erlitten reparable Schäden,
- mindestens die gleiche Anzahl von Wohnungen wurde überflutet und die Einrichtungsgegenstände größtenteils unbrauchbar,
- sieben Gewerbebetriebe, Bäuerliche Handelsgenossenschaft, Fahrrad- und Mopedgeschäft Böhme, Fischvermarktung Voss, Lebensmittelmarkt Netto, Lokomotivreparatur, Maschinenbau Schubert & Fiedler und Versicherungsmakler Helmig erlitten teilweise existenzbedrohende Schäden,
- drei der vier an der Wilden Weißeritz gelegenen Gebäude/Gebäudekomplexe der Fachrichtung Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften der TU Dresden, Pienner Str. 7, 8, 9 sowie 19, waren stark in Mitleidenschaft gezogen, die technischen Einrichtungen waren größtenteils zerstört (Gesamtschaden 18,5 Mio. Euro lt. SZ vom 10.09.)
das Jugendvereinshaus "Kuppelhalle" wurde im Keller- und Erdgeschossbereich stark in Mitleidenschaft gezogen, geschätzter Schaden von mindestens 250.000 Euro,
- sämtliche technischen Einrichtungen der Kegelbahn des Tharandter Sportvereins, Abteilung Kegeln, wurden zerstört, geschätzter Schaden von 100.000 Euro,
- im privaten Bereich und bei den Vereinen entstand ein Sachschaden von insgesamt 3.022.759 Euro, Stand 2. April 2003,
- fast alle Freiflächen waren mit ungeheuren Mengen an Geröll und Sand sowie an Schwemmgut - an der Kreuzung Dresdner/Pienner Straße stapeln sich bis zu 5 m hoch angeschwemmte Bäume und Sträucher -  jeglicher Art, hin bis zu gefüllten Öl- und Chemikalienbehältern, bedeckt,
- die infrastrukturellen Einrichtungen, staatliche Pienner Straße (S 192) mit städtischem Fußweg, Ver- und Entsorgungsleitungen für Wasser, Abwasser, Gas, elektrischen Strom, Telefon und Kabelfernsehen, waren auf weite Strecken zerstört, im städtischen Bereich entstand ein durch Gutachten belegter Schaden von insgesamt  3.761.332,10 Euro,
- die gerade erst fertig gestellten Bahnhofs- und besonders die Gleisanlagen der Deutschen Bahn waren in großen Abschnitten zerstört,
- umgestürzte und unterspülte Bäume im angrenzenden Tharandter Wald waren in Größenordnungen vorhanden, die Beseitigung soll nach Schätzungen des zuständigen Forstamtes allein 1 Mio. Euro kosten,
- im "nichtstädtischen" Bereich, ohne Deutsche Bahn, entstand im Stadtgebiet ein Schaden in Höhe von 2.181.419,03 Euro (Landestalsperrenverwaltung, Straßenverwaltung usw.), Stand 2. April 2003,
- insgesamt traten Schäden in geschätzter Höhe von 53 Mio. Euro ein (Bürgermeister Sommer in der Stadtratssitzung vom 10.09., auch SZ vom 12.09.), ohne Berücksichtigung der Schäden bei der Bahn AG.

Erfreulich bei all den materiellen Schäden war, dass Menschen - Gott sei Dank - nicht zu Schaden gekommen waren, sicherlich auch wegen der rechtzeitig durch den Bürgermeister angeordneten Evakuierungsmaßnahmen.

In der am 23. August im Judeich-Bau der TU Dresden stattgefundenen Einwohnerversammlung konnte der Bürgermeister berichten, dass es zwischenzeitlich schon gelungen ist, die Anwohner des größten Teils der Pienner Straße mit Strom, Gas und Trinkwasser zu versorgen, auch die Abwasserleitung ist wieder brauchbar. In der Erörterung der Ursachen der Katastrophe, die den größten Teil der Versammlung ausfüllte, wurde verschiedentlich bemängelt, dass bei einer früheren Information der Anwohner ein großer Teil der Verluste an persönlichem und städtischem Eigentum vermeidbar gewesen wäre. Einwohner berichteten, dass sie zwar das Anschwellen der Wilden Weißeritz mit Sorge betrachtet hätten, aber in die beiden zum Zweck des Hochwasserschutzes errichteten Talsperren Lehnmühle und Klingenberg volles Vertrauen gehabt hätten, da seit dem Errichten der Klingenberger Talsperre im Jahre 1912 kein zerstörerisches Hochwasser mehr durch die "Wilde Weißeritz" zu beobachten war. Übereinstimmend wurde auch von verschiedenen Personen geäußert, dass das vorhandene Hochwasser in Tharandt zwar fast zum Überlaufen der stellenweise fast drei Meter hohen Ufermauern geführt hätte, aber keinen größeren Schaden angerichtet habe. Erst durch die Flutwelle, ausgelöst durch das teilweise Ablassen der überlaufenden Klingenberger Talsperre, sei es in der Folge zu den großen Schäden gekommen.

Sofort nach dem Bekanntwerden des Hochwassergeschehens im Stadtgebiet überflutete eine andere Woge die Stadt, eine ungeahnte und unerwartete herzliche Solidarität wurde durch viele Menschen aller Schichten der gesamten Bundesrepublik und von im Ausland lebenden Deutschen den leidgeprüften  hochwassergeschädigten Bürgern zuteil, von der im Ausland lebenden Deutschen, die den Inhalt ihres bei den Eltern zurückgelassenen Sparschweins überbringen ließ, bis zu den Partnergemeinden, aber auch von Städten, zu denen bisher kaum Kontakt bestanden hatte, und zu großen, weltweit handelnden Firmen reichte das Spender-"Spektrum". Sachspenden, wie Kleider, Kosmetika, Kleinmöbel, elektrische Küchengeräte, Geschirr und alles was der Mensch so zum Leben braucht, wurde in solchen Mengen angeliefert, dass sich die Stadtverwaltung mit dem Speichern, Sortieren, Erfassen und Verteilen überfordert sah und darum bitten musste, von Sachspenden vorerst abzusehen. Auch Angebote von Dienstleistungen, von Bauarbeiten über Finanzleistungen bis zu statischen Bauwerksberechnungen, wurden in Hülle und Fülle unterbreitet. Im gleichen Atemzug sind - nicht zuletzt - die unzähligen Helfer zu nennen, die freiwillig und uneigennützig mit ihrer Hände Arbeit oft bis zur Erschöpfung "spendeten".

Zum Verteilen der eingegangenen bzw. bei der schon erwähnten Zeitung deponierten Spendenmittel ist das Folgende anzuführen: Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 10. September beschlossen, einen zeitweiligen Ausschuss "Spendenmittel" zu bilden. Zu Mitgliedern des Ausschusses wurden bestimmt, der Ortsvorsteher der Ortschaft Tharandt (als Vorsitzender), die Vorsitzende des Gewerbevereins Tharandt, der Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde, 2 Stadträte und 2 Amtsleiter der Stadtverwaltung. Der Ausschuss erarbeitete bis zur folgenden Stadtratssitzung einen Entwurf des Verfahrens zum Auszahlen der Spendenmittel. Der Stadtrat fasste daraufhin in seiner Sitzung am 8. Oktober folgenden Beschluss: "Der Stadtrat beschließt, die Verteilungsvorschläge des zeitweiligen Ausschusses "Spendenmittel" werden wie folgt bestätigt:

a) Jede gemeldete Schadenshöhe wird ohne Bewertung registriert, in Ausnahmefällen werden Schadensgutachten angefordert und mit einbezogen.
b) In Einzelfällen werden diese Schadenshöhen bewertet und korrigiert, wenn sie nach Vergleich mit ähnlichen Schadensbildern und allgemein gültiger Erfahrung unangemessen erscheint.
c) In die Berechnung der Restschadenssumme gehen Versicherungsleistungen und bereits erhaltene Zuwendungen ein. Bei unklarer Angabe von Rückerstattungen aus Versicherungsleistungen wird eine Quote von 60 % angenommen. Bei keiner Angabe zu Versicherungsleistungen werden telefonisch Auskünfte eingeholt, ergeben sich keine konkreten Aussagen, so wird die 60 %-Regel angewendet. Bei den Zuwendungen gehen keine Kredite mit ein, aktuelle personenbezogene Spenden werden, so weit bekannt, berücksichtigt.
d) Die der Stadt mit Stand vom 08.10.2002 zur Verfügung stehende Spendensumme wird mit 700.000 Euro angenommen, davon befindet sich ein Teil auf dem Konto, der andere Teil noch bei der "Wilhelmshavener Zeitung".
e) Von dem unter d genannten Betrag werden abgezogen: 3 Monate Mietausgleich für das Nutzen einer Fremdwohnung in Höhe von 8.300 Euro; 73.000 Euro für Infrastrukturmaßnahmen der Stadt, z. B. Eigenanteil für den Bau von Gehwegen, Stützmauern, städtischen Straßen, Abwasserkanälen und von Freiflächen, und Ausgleich der Kosten zur Katastrophenbewältigung, z. B. Unterbringung der Evakuierten, Verpflegung der Helfer usw. (dieser Betrag dient gleichzeitig als Auszahlungspuffer); damit ergeben sich freie Spendenmittel in Höhe von 618.700 Euro.
f) Die Auszahlungsquote errechnet sich aus dem Verhältnis der gesamten Restschadenssumme (Restschadenssumme im Einzelfall = gemeldeter Schadensbetrag minus Versicherungsleistungen minus bereits erhaltene Zuwendungen) zu den Spendenmitteln, also 618.700 Euro / 3.022.759 Euro x 100 = 20,5 %. Die auszuzahlenden Beträge werden auf volle 50 Euro mathematisch auf- oder abgerundet.
g) Mit der Auszahlung von 20,5 % der Restschadensumme an jeden anspruchsberechtigten Antragsteller, sofern dieser noch eine Restschadensumme aufweisen kann, werden die   Hauseigentümer, Mieter, Vereine und Gewerbetreibende weder bevor- noch benachteiligt.
h) Das Verteilen der vorhandenen Gutscheine erfolgt nach folgendem Schlüssel: Gutscheine im Wert von 200 Euro bei Restschadensummen bis 1.000 Euro, Gutscheine im Wert von   500 Euro bei Restschadensummen bis 5.000 Euro und Gutscheine im Wert von 1.000 Euro bei Restschadensummen über 5.000 Euro.
i) Die errechneten Spendenbeträge werden voll ausgezahlt. Bei angekündigter Zwangsvollstreckung oder ungeklärten Eigentumsverhältnissen eines Gebäudes bzw. Grundstückes wird der Spendenbetrag auf einem Verwahrkonto bis zur Klärung aufbewahrt und dann an den festgestellten Eigentümer ausgezahlt.
j) Die Empfänger der Spendenbeträge haben die Verwendung bis spätestens 30. Juni 2003, Hausbauer bis zum 31. Oktober 2004 der Stadtverwaltung nachzuweisen."

Per 29. April 2003 standen Spendenmittel mit einer Gesamthöhe von 1.104.394,30 Euro (davon 91.010,00 Euro als Warengutscheine)  zur Verfügung. Auf der Grundlage des vorgenannten Stadtratsbeschlusses wurden zum gleichen Stichtag ausgezahlt:

- 140.035,50 Euro zweckbestimmte Spendenmittel, d. h., diese wurden direkt an vom Spender benannte Personen und Vereine ausgezahlt,
- 233.398,54 Euro an Personen, Vereine und Gewerbebetriebe,
- 404.000,00 Euro durch die Wilhelmshavener Zeitung an Personen und Vereine,
- 91.010,00 Euro als Warengutscheine an Personen, Gewerbebetriebe und Vereine nach Punkt h des Stadtratsbeschlusses,
- 81.300,00 Euro an die Stadt nach Punkt e des Stadtratsbeschlusses,

damit ergab sich ein Restbetrag von 154.650,26 Euro, der nach einem Vorschlag des Ortschaftsrates Tharandt für die aufzubringenden Eigenanteile für das Wiederherstellen der dem Gemeinwohl dienenden Einrichtungen mit einem Gesamtschaden von 3.761.332,10 Euro der Stadt zur Verfügung gestellt wird.

Beteiligt an den Hilfsaktionen - wir veröffentlichen die Namen trotz der naheliegenden Gefahr, dass die Aufstellung unvollständig ist - waren selbstlos und unentgeltlich Helfer

- der Bergwacht des Deutschen Roten Kreuzes Tharandt,
- der Bundeswehr: Gebirgsjägerbataillon 571 aus Schneeberg mit 11 türkischen Soldaten,  Offiziersschule des Heeres in Dresden, Panzerkompanie 370 aus Doberlug-Kirchhain, Pionierbataillon 620 aus Schleswig-Holstein und Pionierbataillon 701 aus Gera,
- der Deutschen Bahn AG, die es in äußerst kurzer Zeit schafften, einen Schienenersatzverkehr mit Omnibussen zu organisieren, der die dringend erforderliche Verbindung der Stadt mit dem Umland, insbesondere mit der Landeshauptstadt Dresden wieder herstellte,
- des Deutschen Roten Kreuzes, verschiedene Ortsverbände,
- der Diakonie-Sozialstation Tharandt,
- des Forstamtes Tharandt,
- der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Tharandt,
- als freiwillig tätig gewordene private Personen aller Schichten aus vielen Regionen der Bundesrepublik (an manchen Tage bis zu 800 Personen),
- der Gast-Feuerwehren mit teilweise zugeordneten gemeindlichen technischen Hilfsdiensten aus Blaubeuren in der Schwäbischen Alb, Crossen in Thüringen, Dietzenbach in Hessen, Ellefeld im Vogtland, Rodewisch  u. a.,
des kommunalen Hilfsdienstes aus Jena, Possendorf u. a.,
- der Katastropheneinsatzkräfte des Landkreises,
- der Polizei und der Bereitschaftspolizei,
- der Straßenmeisterei Freital,
- des Technischen Hilfswerkes, verschiedene Ortsverbände aus Hilpoltstein, Jena, Reigen u. a.,
- der TU Dresden, insbesondere der Fakultät Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften,

ihnen allen, den freiwilligen und "dienstlichen" Helfern in der Not, den bekannten und unbekannten Spendern, auch denen, die durch Wort und Gruß Anteil nahmen, gilt der Dank der gesamten Bürgerschaft der Stadt Tharandt, die tief bewegt von dem herzlichen Beweis an Gemeinschaftsgeist und Zusammengehörigkeitsgefühl diese Zeichen der notlindernden Solidarität zu würdigen und zu schätzen wissen und dies lange in ihrer Erinnerung behalten werden.

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Zeitzeugen der Jagd- und Forstgeschichte im Tharandter Wald
- André Kaiser, Kurort Hartha -

1. Historische Grenzmarkierungen

Die ältesten steinernen Grenzmarkierungen im Tharandter Wald sind Kursächsische Forstgrenzsteine aus der Mitte des 16. Jh. Der älteste bekannte Grenzstein von 1540 wurde in einem ehemaligen Forstpflanzgarten bei Kurort Hartha gefunden. Einzelne Grenzsteine mit Wappen aus dieser Zeit sind ebenfalls noch erhalten. Kursächsische Forstgrenzsteine mit eingemeißelten Kurschwertern, der Jahreszahl der Aufstellung und einer fortlaufenden Nummer wurden 1735-40 an der gesamten Grenze des kursächsischen Forstes gesetzt und stehen z. T. noch an der heutigen Staatsforstgrenze rund um den Tharandter Wald. Zum Abschluss dieser Maßnahme wurde 1740 ein Forstvermessungsdenkmal an der "Hohen Buche" zwischen Kurort Hartha und Tharandt aufgestellt. In seiner äußeren Ausführung und ursprünglichen Bekrönung gleicht es dem Jagddenkmal bei Hetzdorf.

Der "Katzenstein", ein Findling mit Jahreszahlen (u. a. 1740), markiert die ehemalige Grenze zwischen dem Naundorfer Rittergutswald (sogen. "Herrenbusch") und dem kurfürstlichen Forst am Wiesenweg bei Niederschöna (FA 719). Flurgrenzsteine mit der Nr. 3 und 4 von 1781 sind an der "Flügelwiese" (FA 902) bei Kurort Hartha erhalten geblieben. Eine weitere Grenzmarkierung einer ehemaligen Forstgrenze mit Initialen und Jahreszahl (1786) an einem Felsen (FA 603) ist im Tiefen Grund bei Tharandt zu finden.

Kursächsische Sicherheitssteine zur Grenzmarkierung im Tharandter Wald stehen vereinzelt noch an den Kreuzungen von Schneisen und Flügeln, eingemeißelt sind Kurschwerter, eine fortlaufende Nummer und die Jahreszahl (u. a. 1802). Königlich-sächsische Forstgrenzsteine wurden u. a. um 1826 im Rahmen der Vermessung unter Leitung von Heinrich Cotta zur Markierung des königlichen Forstes gesetzt und tragen eingemeißelt die Königskrone, Jahreszahl der Aufstellung und eine fortlaufende Nummer. Sie stehen z. T. noch an der Staatsforstgrenze rund um den Tharandter Wald, z. B. an der Burgruine Tharandt. Königlich-sächsische Sicherheitssteine findet man noch oft an den Schneisen im Tharandter Wald. Sie wurden im 19. Jh. ebenfalls im Rahmen der Vermessung und Einrichtung des Schneisensystems von Heinrich Cotta gesetzt, eingemeißelt ist nur eine fortlaufende Nummer.

Weitere Flurgrenzsteine aus dem 19. Jh. markieren die Grenze zwischen dem Staatsforst und den Gemeinden am Tharandter Wald: Staatsforstrevier Spechtshausen / Gemeinde Pohrsdorf, am G-Flügel bei Pohrsdorf (FA 507), Staatsforstrevier Spechtshausen / Gemeinde Herzogswalde, am Mühlweg / Landberg (FA 542) und Staatsforstrevier Grillenburg / Gemeinde Grillenburg, am Grunder Weg in Grillenburg (FA 341)

2. Gedenksteine

Zu den ältesten Gedenksteinen gehören die Steinkreuze. Ein namenloses Steinkreuz befindet sich unweit der "Fischers Wiese" bei Naundorf (FA 726). Das "Auermanns Kreuz" (FA 435) und das "Günthers Kreuz" (FA 348) stehen unweit des B-Flügels bei Grillenburg. Die Geschichten um ihre Entstehung sind zwar widersprüchlich, stehen jedoch mit der Jagd- und Forstgeschichte des Tharandter Waldes im Zusammenhang. Der G.-Weise-Denkstein erinnert am Gottschaldweg / Schneise 21 (FA 430) an den Waldarbeiter Johann Carl Gottlob Weise aus Hetzdorf, der dort 1832 tödlich verunglückte. Den Selbstmord des Jägers Erdmann Emanuel Resag im Jahre 1842 dokumentiert der Resag-Gedenkstein am Bellmanns Flügel (FA 235) bei Tharandt. Erst kürzlich wurde zur Erinnerung an den Waldarbeiter Erhard Kirchner an der Salzstraße bei Naundorf eine Gedenktafel errichtet. Er verunglückte 1949 tödlich beim Zapfenpflücken. Die seitdem eingezäunte Zapfenpflücker-Lärche musste 1996 wegen Blitzschlages gefällt werden. Ursprünglich wurde 1889 in jedem Forstrevier ein Wettinplatz anlässlich der 800-Jahr-Feier des Sächsischen Fürstenhauses Wettin angelegt. Bis heute ist der Gedenkstein von 1889, jedoch ohne Schrifttafel, an der "Salzstraße" bei Klingenberg / Colmnitz (FA 439) erhalten.

Der Wettinobelisk am G-Flügel (FA 536) bei Pohrsdorf wurde wieder aufgestellt und mit der Gedenktafel des Wettinsteines vom Kerbenbach versehen, der noch in der "Wettinpflanzung" am Kerbenbach (FA 619) bei Dorfhain steht. Der Wettinplatz bei "Heinrichs Eck" am Mauerhammer (FA 218) wurde erst kürzlich wieder angelegt. Das Original mit einem aus Fichten gepflanzten "W" musste "Judeichs Grab" weichen. Das neue "W" wurde mit Eiben zwischen "Judeichs Grab" und "Cottas Grab" gepflanzt. Büsten des Begründers der Tharandter Forstlehranstalt, Johann Heinrich Cotta (1763 bis 1844, Büste: 1851), und der Lehrer Max Robert Preßler (1815 - 1886, Büste: 1890) und Johann Adam Reum (1780 bis 1836, Büste: 1851) sind im Forstbotanischen Garten Tharandt zu finden. Forstakademiedirektor Johann Friedrich Judeichs (1828 bis 1894) Büste von 1899 ist hingegen am Neumeisterweg (Gemarkung Somsdorf, FA 248) zu finden.

Die letzten Ruhestätten von zwei berühmten Forstmännern befinden sich im Tharandter Wald. Cottas Grab von 1844 mit einer Gedenktafel zum 80. Geburtstag von 1843 ist am Mauerhammer (FA 208) bei Tharandt zu finden. Gegenüber am "Heinrichs Eck" liegt Judeichs Grab von 1894, das 1940 vom Tharandter Friedhof umgesetzt wurde (FA 218). Die Werthersäule von 1844 im Breiten Grund (FA 209 / 210) bei Tharandt erinnert an ein Duell zwischen Forststudenten, bei dem der junge Otto Werther aus Dresden ums Leben kam. Das älteste erhaltene Jagddenkmal im Tharandter Wald stellt Jäger und Bär dar und wurde wahrscheinlich zum Andenken an den Letzten Bären im 16. Jh. am Tännichtgrund bei Naundorf errichtet. Es steht heute am Zeisigstein im Forstbotanischen Garten Tharandt. Das Jagddenkmal an der Schneise 21 (FA 703) bei Hetzdorf stand ursprünglich im Hetzdorfer Ortsteil Hutha. Dort erlegte Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen und König August III. von Polen (1696 bis 1863) im Jahre 1738 u. a. einen kapitalen Hirsch (Geweih mit 28 Enden). Das ursprüngliche Aussehen und die Inschrift des Denkmales und der ebenfalls ausgestellten Forstgrenzsteine dokumentieren zwei Schautafeln. An den 1000. von König Albert von Sachsen (1828 bis 1902) erlegten Edelhirsch erinnert das Denkmal 1000. Hirsch von 1893 (FA 210) unweit des Mauerhammers bei Tharandt

3. Wildfütterung

Vier bemerkenswerte Salzlecken aus Sandstein aus der Zeit um 1750 blieben im Tharandter Wald erhalten. Es handelt sich um Sandsteinplatten, die schüsselförmig vertieft sind und von vier Sockelsteinen getragen werden. Zwei vollständig erhaltene Exemplare befinden sich unweit des Rosenweges (FA 704) bei Niederschöna und zwischen den Schneisen 6 und 7 bei Kurort Hartha (FA 903). Die beschädigte Schale der Salzlecke zwischen Grillenburg und Klingenberg (FA 356) wurde zunächst an eine Futterkrippe umgesetzt und befindet sich jetzt am Harthaer Flügel, Abzweig Borschelweg, bei Kurort Hartha (FA 906). Die Sockelsteine blieben verschollen und wurden durch andere Steine ersetzt. Die vierte vollständige, jedoch beschädigte Salzlecke fand man unter der Grasnarbe nördlich vom Markgrafenstein (FA 608). Zwei Futtertröge für die Wildfütterung aus Sandstein (18. Jh.) setzte die Wegemeisterei des Bauhofes Kurort Hartha vom Fundort (FA 706) an die Schutzhütte an der Ecke F-Flügel / Jägerhorn (FA 705) bei Hetzdorf um. 1936/38 wurden Silobunker für die Lagerung von Wildfutter (z.B. Rübenschnitzel) u.a. am Gehegewiesenweg (FA 846), zwischen Schneise 15 und 16 (FA 350) und oberhalb des Kroatenbachtales (FA 335) sowie bei Grillenburg (FA 350) angelegt, die z.T. heute noch genutzt werden.

4. Floß-, Kanal- und Teichanlagen
Die Seerenteiche (FA 329/339) sind zwei ehemalige Floßteiche (16./19. Jh., Staumauer: 1898), die für den Transport von Holz auf dem Seerenbach zur Weißeritz und weiter nach Dresden angelegt wurden. Der Floßgraben (FA 329 - 349) vom Kroatenbach ins Seerenbachtal diente der zusätzlichen Wasserzufuhr (16. / 19. Jh.) der Seerenteiche. An den Floßholzplatz (16./19. Jh.) am "Bellmanns Los" (FA 232) bei Tharandt erinnern nur noch Stützmauern. Von dort wurde das Floßholz in die Weißeritz geworfen. Eine weitere Abwurfstelle war am "Georgen Los" (FA 603) bei Edle Krone. Nur noch die Staudämme (16. Jh. / 19.Jh.) im Rodelandbach- (FA 711-721) und Triebischtal (FA 506-512) erinnern an die ehemaligen Teiche zur Fischzucht im Tharandter Wald. Der Kanal (16. Jh.) vom Kroatenbach (FA 349) ist die älteste Wasserversorgung für die Grillenburger Kunstteiche zum jetzigen Badeteich. Ein Stauteich und ein Kanal "Faule Pfütze" / "Schwarze Pfütze" (FA 845-846) wurden 1938, ursprünglich mit einer Kalkmühle, zur Wasserversorgung für die Grillenburger Stauteiche angelegt.

5. Brücken
Zu den ältesten erhaltenen Brücken im Tharandter Wald gehört eine Sandsteinquaderbrücke am Borschelweg (FA 906) bei Kurort Hartha, die vermutlich aus dem 12. Jh. stammt. Von einer weiteren Brücke aus dieser Zeit sind nur Brückenteile an der Schneise 9 (FA 216 / 226) erhalten. Die Jagdhausbrücke in Grillenburg entstand 1730 nach Plänen von M. D. Pöppelmann. An der "Neuen Brücke" bzw. "Kirschbergbrücke" im Triebischtal (FA 518) erinnert eine Hochwassermarke an die Flut von 1897, welche die Staudämme der Fischteiche im Triebischtal endgültig zerstörte. Ein Brückenstein mit den Initialen "K. S. R. F." (19. Jh.) ist an der Ecke G-Flügel / Schneise 9 (FA 536) wieder eingebaut worden.

6. Forstbotanischer Garten und Meilerplatz Tharandt sowie Jagdhausanlage Grillenburg

Der Forstbotanischer Garten Tharandt (1811) und der Meilerplatz (1846) im Breiten Grund bei Tharandt entstanden als Ergänzung zur von Heinrich Cotta begründeten Forstlichen Lehreinrichtung in Tharandt. Im Forstbotanischen Garten blieb u. a. das Schweizerhaus von 1842 erhalten. Es diente ursprünglich als Hörsaal und ist seit 1885 ein Museum.

Die Schösserei (u. a. 1554 / 1855) der Jagdhausanlage Grillenburg (12. - 19. Jh.) diente auch als Oberforst- und Wildmeisterei (1586 bis 1852 / 1873 bis 1909) sowie "Sächsischer Jägerhof" (1936 bis 1945). Seit 1966 beherbergt sie die Forstliche und Jagdkundliche Lehrschau der TU Dresden. Das "Neue Jägerhaus" wurde 1938 als Gästehaus für den "Sächsischen Jägerhof" auf den Grundmauern einer romanischen Kelleranlage (12. Jh.) errichtet. Zum Ensemble gehören innerhalb der Umfassungsmauer (16. Jh.) noch der Schlussstein (1779) und die Wildbretkeller (1554-58) des "Fürstenhauses" sowie die Bronzeplastiken Hubertushirsch, Bär und Keiler von 1938. Außerhalb stehen noch das Bootshaus, eine Jagdhütte von 1938 und die ehemalige Forstmeisterei Grillenburg von 1832 ("Reiterhof"). Historische Forsthäuser sind in fast allen Orten am Tharandter Wald erhalten geblieben. Gegenwärtig wird der kursächsische Forsthof von 1764 in Spechtshausen für das Sächsische Forstamt Tharandt restauriert und umgebaut. Die Forstmeisterei Hintergersdorf von 1789 ist heute als Seniorenheim "Lindenhof" in Kurort Hartha bekannt.

Literaturhinweis: Dr. Herbert Wilhelmi, "Forstliche Denkmale in Sachsen - Mittlerer Landesteil-, Sächsischer Forstverein e. V. (Hrsg.) 1999

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Zur beabsichtigt gewesenen Vereinigung von Hintergersdorf und Tharandt
- Wolfgang Heinitz, Tharandt -

Am 15. und 16. September 1924 wurde im "Tharandter Tageblatt" eine ausführliche Berichterstattung über die Verhandlungen zu einer "Vereinigung der Gemeinde Hintergersdorf mit der Stadt Tharandt" gegeben. Als einen Auslöser dafür muss man die im Tharandter Territorium herrschende Not an Bauplätzen ansehen, die der "baulichen Weiterentwicklung der Stadt" im Wege stand. Es hatte schon im Jahre 1880 Tharandt von der Gemeinde Großopitz die nordöstliche Hangseite abgekauft. Dadurch hatte in den folgenden Jahren entlang der Wilsdruffer Straße eine rege Bautätigkeit eingesetzt. Danach war man bestrebt, für die noch immer wachsende Bevölkerung der Stadt weiteren Baugrund zu gewinnen. Um 1900 gab der Stadtrat von Tharandt grünes Licht für die Erschließung und Bebauung der umliegenden Höhen. Ein weiterer Schritt in diese Richtung wurde im Jahre 1923 mit der Vereinigung der Gemeinde Großopitz mit der Stadt Tharandt gegangen.

Die im Jahre 1924 mit der Gemeinde Hintergersdorf geführten Verhandlungen verfolgten auch das Ziel, Baugrund in westlicher Richtung der dort reichlich vorhanden war, zu finden. Allerdings waren auch andere Anlässe, die zu diesen Verhandlungen führten. Es stand gerade in der Landgemeinde Hintergersdorf die Wahl eines neuen Bürgermeisters an. Zum anderen waren die in Hintergersdorf bestehenden Schulverhältnisse nicht die besten. Ein Schulneubau machte sich notwendig und würde 100-150 000 Mark verschlingen. Im Jahre 1910 war in Tharandt eine große geräumige Schule erbaut worden, in der ein achtklassiger für diese Zeit vorbildlicher Schulbetrieb möglich war. Die Hintergersdorfer Schule war sechsklassig, drei Lehrer unterrichteten die Schüler, wobei die ersten beiden Jahrgänge gemeinsam unterrichtet wurden, das 3., 4., 5. und 6. Schuljahr einzeln. Mehrere Hintergersdorfer Schüler besuchten aber schon damals die Tharandter Schule, nahmen also ihren Schulweg über die Hohe Buche, der für sie immerhin zumutbar war. Die Eltern der Hintergersdorfer Schüler sahen, dass ihren Kindern in diesen Schulverhältnissen eine bessere Bildung zuteil wurde. Die Tharandter Schule konnte damals für alle Hintergersdorfer Schüler ein Unterkommen bieten. Auf dieses hier angeführte Schulproblem war man aber erst gestoßen, als der Schulbezirksvorstand die in Hintergersdorf vorhandene Fortbildungsschule wegen zu geringer Auslastung auflösen wollte. Denn diese Schüler sollten nun die Tharandter Fortbildungsschule besuchen, weil Pohrsdorf wie auch Hartha vorher eine Zusammenlegung mit Hintergersdorf abgelehnt hatten.

Am 23. Juli fanden sich zur gegenseitigen Fühlungnahme über die Frage der Vereinigung der Gemeinde Hintergersdorf mit der Stadt Tharandt im Sitzungszimmer der Stadtverordneten von der Gemeinde Hintergersdorf der stellvertretende Bürgermeister Turmhofsbesitzer Hörig und die Gemeindeverordneten Gutsbesitzer Göpfert, Kaufmann Behrens, Fabrikarbeiter Simon, Bahnarbeiter Schulze, von der Stadt Tharandt: Bürgermeister Lindner mit den Stadträten Schuldirektor a.D. Dörner, Fabrikbesitzer Fiedler, Tischler Rudiger, und die Stadtverordneten Baumeister Burkhardt, Kasseninspektor Philipp ein." Tharandt hatte damals etwa 2.500 Einwohner, Hintergersdorf 1.200, die zu 50% in der Landwirtschaft tätig waren, 40% waren Arbeiter und 10% Handwerker und "Geschäftsleute". Tharandt habe, so sagte man, mehr eine städtische Bevölkerungsstruktur. Ein Hinderungsgrund für den Zusammenschluss sei das aber nicht. Es wurde betont, dass dadurch große Einsparungen in der Verwaltung vorgenommen werden könnten, allerdings müsse noch eine Verwaltungsstelle in Hintergersdorf bestehen bleiben. Auch über die Vertretung Hintergersdorfs im Stadtrat war man sich einig: Die sollte einen Stadtrat und vier Gemeindevertreter stellen.

Als für Hintergersdorf zukünftig dringend notwendige Maßnahmen wurden erwähnt: Die Neugestaltung der Wasserversorgung, wobei alle Anschlüsse neu zu verlegen waren, was eine Menge Geld kosten werde, die Installation einer Lichtleitung zu den Waldhäusern und die Pflasterung der Talmühlenstraße, die durch den zunehmenden Autoverkehr stark in Anspruch genommen wurde. Man schätzte das Plus und Minus einer Vereinigung ein und sah es als ausgewogen an. Die beiden Vertretungen gingen mit dem Vorhaben auseinander, die bisher gewonnenen Erkenntnisse mit den anderen Abgeordneten zu besprechen, Meinungen von der Bevölkerung einzuholen. Nachdem die Niederschrift von den Gemeindevertretern Hintergersdorfs gelesen worden war, ergab die Abstimmung 7 für und 6 gegen eine Weiterführung der Verhandlungen.

Es fand daher am 28. August im Stadtverordneten-Sitzungszimmer in Tharandt eine gemeinschaftliche Sitzung der Stadtverordneten zu Tharandt und der Gemeindeverordneten zu Hintergersdorf statt mit der Tagesordnung: Aussprache über den eventuellen Zusammenschluss der beiden Gemeinden." Es waren also alle Abgeordneten mit dem Thema konfrontiert worden und sie mussten nun sich mit diesem Vorhaben auseinandersetzen. Es entwickelte sich daraufhin ein interessanter Meinungsaustausch. Einige hier angeführte Diskussionspunkte sollen zeigen, welche Probleme im Jahre 1924 die beiden Gemeinden beschäftigten. Vielleicht finden wir auch Parallelen zu den Verhältnissen von heute. So fragten die Tharandter, warum wenige Zeit vorher die Vereinigung von Hintergersdorf mit Hartha nicht zustande gekommen sei, was doch eher zu erwarten gewesen wäre als diese jetzt zur Debatte stehende. Es wurden als Verhinderungsgrund die großen anstehenden finanziellen Ausgaben angeführt. Das wurde jedoch vom den Hintergersdorfern verneint, die Ablehnung sei an der "Rückständigkeit der Harthaer Vertreter" gescheitert. Die "von links sind dafür gewesen, rechts hat man aus örtlichen Gründen abgelehnt." Die Hintergersdorfer betonten, dass sie von der Ortsklasse D in die B überwechseln könnten und dass die Schulbildung für ihre Kinder eine wesentliche Verbesserung erfahren würde, was in beiden Fällen einen nicht gering zu schätzenden Vorteil für die Einwohner bedeute. Es wurde auch nach eventuell im Hintergrund agierenden Institutionen gesucht und man vermutete das Bezirksschulamt und die Amtshauptmannschaft als treibende Kräfte. Es wurden noch einmal die beiderseitigen Schulverhältnisse angeführt: Nach dem Stande vom 25. August hatte Tharandt 455, Hintergersdorf 141 Schüler. In Tharandt wurden sie in 15 Klassen unterrichtet, was eine Klassenstärke von 30 ergab. Das entsprach den Vorschriften. Wenn es Ostern 1925 zu einer Zusammenlegung der Schulen käme, würde sich die Schülerzahl verringern (mehr Abgänger als Neuaufnahmen). Es könnten 18 Klassen mit jeweils 31 Schülern gebildet werden. Zu den 13 Lehrern kämen die 3 von Hintergersdorf hinzu. Die 17 vorhandenen Klassenzimmer, so meinte man, würden vollständig ausreichen.

Der Gemeindevertreter Schulze aus Hintergersdorf gab folgende Erklärung ab: "Die Anregung zur Vereinigung der beiden Gemeinden ist von Tharandt ausgegangen. Wir Vertreter der Arbeiterschaft befürworten die Vereinigung. Irgendeine Beeinflussung durch die Amtshauptmannschaft hat nicht stattgefunden. Die Wasserversorgung von Hintergersdorf ist natürlich nicht zur sofort zu erfüllenden Bedingung zu machen, die Frage muss aber gelöst werden. Geld ist gegenwärtig weder in Tharandt noch in Hintergersdorf für solche Sachen übrig. Hintergersdorf ist immerhin eine steuerkräftige und leistungsfähige Gemeinde. Derartige große Aufgaben können nicht ohne Kredit gelöst werden. Durch die Vereinigung können Ersparungen in der Verwaltung gemacht werden, die dann mit für solche Zwecke Verwendung finden. Was die Straßen anlangt, so müssen selbstverständlich die Unterhaltungsarbeiten auch ausgeführt werden, wenn die Vereinigung nicht zustande kommen sollte. Die Verhältnisse liegen nicht etwa so, dass es Hintergersdorf "auf den Fersen brennt." Stadtrat Dörner aus Tharandt stellte jedoch klar, dass die Amtshauptmannschaft durch das Bezirksschulamt die Bildung eines Fortbildungs-Schulzweckverbandes gefordert habe.

Das sei die erste Veranlassung gewesen, Verhandlungen wegen der Vereinigung beider Gemeinden einzuleiten. Nachdem sich nun während der Diskussion immer mehr herausstellte, dass die Hintergersdorfer in der Mehrzahl die Vereinigung ablehnten, forderten die Tharandter, dass diese sich nun entscheiden sollten, damit man nicht unnütz die Zeit vertrödele und zwecklose Aussprachen geführt würden. Die Gemeindeverordneten von Hintergersdorf wurden gefragt, ob sie durch die Verhandlungen bisher eines besseren belehrt worden seien oder nicht. Es wurde von den Vertretern Hintergersdorfs eine Unterbrechung der Verhandlung für fünf Minuten "zwecks Aussprache der Hintergersdorfer Vertreter unter sich" erbeten. Die Tharandter Vertreter verließen den Raum und votierten bei ihrer Befragung einstimmig für die Weiterführung der Verhandlungen. Als beide Vertretungen sich wieder zusammengefunden hatten, erklärte der stellvertretende Bürgermeister Hörig: "Die Abstimmung der Gemeindeverordneten von Hintergersdorf hat ergeben, dass 7 gegen und 6 für die Weiterführung der Verhandlungen sind. Die Weiterverhandlungen sind also abgelehnt worden. Die Vertreter von Hintergersdorf danken den Tharandter Vertretern für das gezeigte Entgegenkommen in der Angelegenheit. Wir haben es ernstlich gemeint, als wir uns an den Verhandlungstisch setzten. Nun muss die Angelegenheit zurzeit ruhen und es wird sich zeigen, wie sich die Verhältnisse weiter entwickeln. Im Wege des Zweckverbandes lässt sich ja vieles erreichen, was heute für die Gemeindevereinigung ins Feld geführt worden ist. Ich hoffe, dass Tharandt gute Beziehungen mit Hintergersdorf pflegen wird. Der Schulverband mit Tharandt wäre ja ganz gut, wir selbst aber haben so großes Interesse an seinem Bestehen nicht, da wir unsere Fortbildungsschüler im Ort behalten möchten."

Ein erster Versuch der Annäherung war also nicht von Erfolg gekrönt. Er scheiterte offensichtlich an den sehr unterschiedlichen Ansichten, die innerhalb der Vertreter der Hintergersdorfer Bürger herrschten.

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Die Eule-Orgel in der Dorfkirche zu Fördergersdorf
- Johannes Lemke, Fördergersdorf, und André Kaiser, Kurort Hartha -

Die Kirche in Fördergersdorf, bekannt durch ihre mittelalterlichen Wandbilder, ist zwar romanischen Ursprungs und bekam 1517 im wesentlichen ihre heutige Gestalt, doch die erste Orgel erhielt das Gotteshaus erst im Jahre 1678. Diese Orgel musste schon 1734 durch eine neue ersetzt werden.

Doch als auch von der zweiten Orgel nur noch "... ein starkes Heulen" zu vernehmen war, regte der Fördergersdorfer Kirchschullehrer und Kantor H. Clemens Hänichen einen Neubau an. Der Kirchenvorstand unter dem damaligen Pfarrer Reinhold Striegler beschloss daraufhin, die Orgel von 1734 zu entfernen und ließ sich Angebote für eine neue Orgel mit größerem Klangumfang unterbreiten. Im Sommer 1896 bewarben sich so namhafte Orgelbaufirmen, wie Jahn & Sohn und Gebr. Jehmlich aus Dresden. Sämtliche Angebote entsprachen jedoch nicht den Preisvorstellungen des Kirchenvorstandes. Erst durch den Hinweis eines Amtskollegen des Pfarrers forderte man auch von der Fa. Hermann Eule aus Bautzen ein Angebot an, welches um 15 Mark unter dem der Gebr. Jehmlich lag. So wurde der Auftrag in Höhe von 4.250 Mark und mit 10 Jahren Garantie der Fa. Eule zugesprochen. Der Orgelbauer Eule sprach sich jedoch dahingehend aus, dass erst ein größerer Raum geschaffen werden müsste, um die neue Orgel aufstellen zu können. So wurden kurzerhand auch noch zwei Baufirmen um einen Vorschlag gebeten, denn die Kirche musste für den Orgelneubau um 4 Meter nach Westen erweitert werden. Den Auftrag zur Kirchenerweiterung, welcher die Kosten des Orgelneubaues um mehrere hundert Mark übertraf, bekam die Fa. J. G. Müller aus Tharandt.

Nach Genehmigung des Bauvorhabens durch die königlich-sächsische Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt, begann im Frühjahr 1897 mit dem Abriss des Westgiebels die Erweiterung der Kirche. Am 8. Juli 1897 wurde dann die alte Orgel abgetragen und mit dem Bau der neuen begonnen. Da die wesentliche Arbeit, wie Pfeifenherstellung und Holzarbeiten, in der Orgelbauwerkstatt erfolgten, bedurfte es nur knapp 3 Wochen bis die Orgel an ihrem Platz stand. Als Opus 72 der 1872 gegründeten Orgelbaufirma Hermann Eule aus Bautzen ist sie mit ihren 14 Registern, 2 Manualen und 1 Pedal, 1 Manual- und 2 Pedalkoppeln sowie 702 Pfeifen ein einfaches, aber sehr wohlklingendes Instrument, welches der Größe und Akustik des Kirchenraumes gerecht wird.

Die Abnahme der neuen Orgel erfolgte am 17. September 1897 und im gleichen Monat die feierliche Einweihung durch den damaligen Kantor Hänichen. Nach der Versetzung von Kantor Hänichen nach Bühlau bei Weißig im Jahre 1901, übernahm sein Amt Max K. Jakob. Er war der letzte fest angestellte Lehrer und Kantor der Kirchgemeinde und verstarb 1952. Von da an wird die Orgel von vielen nebenberuflichen und ehrenamtlichen Kirchenmusikern gespielt. Nach fünfjährigen vergeblichen Bemühungen gelang der Kirchgemeinde 1953 die Umstellung des Orgelgebläses von Hand- auf Motorbetrieb. Im Herbst 1994 wurde die Orgel von Volker Buchheim, einem nebenberuflichen Orgelbauer, in 3 Wochen für ca. 10.000 DM restauriert. Bis heute blieb sie von Umbauten verschont und bewahrte ihr ursprüngliches, romantisches Klangbild. So erklingt die Orgel nun schon seit über 100 Jahre in Gottesdiensten und zu Konzerten.

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Die Entwicklung des Kurwesens in Kurort Hartha
- André Kaiser, Kurort Hartha -

Um 1800 wurde die Talmühle (damals Sau- bzw. Ebermühle) in Hintergersdorf (heute Unterdorf von Kurort Hartha) über den Buchenweg von Tharandt aus für den Fremdenverkehr erschlossen. Ein Album von Dresden aus dem Jahre 1830 zeigt nur drei Ansichten aus der Umgebung, darunter die Talmühle Hintergersdorf. Auf Veranlassung von Heinrich Cotta erfolgte 1831 die Anlage des Fußweges von Tharandt nach Hintergersdorf im Talmühlengrund (heute "Cottaweg"). Aufgrund des zunehmenden Besucherstromes bekam die Talmühle 1834 die persönliche und 1847 die Realkonzession zum Ausschank von Getränken und Verabreichung von Speisen sowie für Konzertveranstaltungen im Freien. Das Bauerndorf Hintergersdorf entwickelte sich zur Sommerfrische.

Mit dem Bau der Albert-Bahn Dresden-Tharandt (heute S-Bahn) verbesserte sich 1855 die Anbindung an die Residenzstadt Dresden. Die Orte Hartha und Spechtshausen bildeten in diesem Jahr einen Gemeindeverband. Die ersten Sommergäste kamen 1868 von Dresden nach Hartha und ab 1869 entwickelte sich auch Hartha zu einem beliebten Erholungsort. Mit dem Bau des Kurbades wurde Hartha ab 1870 auch als Bad Hartha bezeichnet. Konzerte und Theateraufführungen fanden im alten Gasthof Hartha (heute Standort des Parkhotels "Forsthaus") statt. Acht Jahre später eröffnete mit der Gaststätte Itzsche (heute Kirchner) das erste Gasthaus nach der Talmühle aufgrund des zunehmenden Fremdenverkehrs. Ein Fremdenblatt mit Kurlisten erschien ab 1882. 1898-1900 ließ der neue Besitzer des Kurbades, Hermann Lehmann, einen Umbau zum Kurhaus vornehmen und gründete 1899 u. a. den Verschönerungsverein Hartha mit Spechtshausen. 

Im Jahre 1900 konnte Hartha 850 und die Sommerfrische Hintergersdorf 700 Gäste begrüßen. Auf dem Hartheberg wurde der Kurpark vom Verschönerungsverein angelegt. Der Bau der ersten Hochdruckwasserleitung in Hartha sowie die erste Busverbindung zum Bahnhof Tharandt aber auch die Ansiedlung des ersten Kurarztes Dr. med. Bremme wurden ebenfalls in dieser Zeit vom Kurhauswirt gefördert, in der am Hartheberg das Villenensemble entstand. Bad Hartha durfte sich ab 1904 als Luftkurort bezeichnen. Die medizinischen und Kurbadeanwendungen erfolgen im privaten Kurhaus. Durch die Anerkennung des Kaiserlichen Gesundheitsministeriums Berlin war 1924 die Bezeichnung Kurort Hartha mit Spechtshausen üblich und Hintergersdorf wurde weiterhin als Sommerfrische bezeichnet. 1913 eröffnete in Hintergersdorf das Dr. Streit-Erholungsheim für schulpflichtige Kinder mit 65 Plätzen, betreut vom Kurarzt Dr. med. Streng. Nach der Gemeindevereinigung im Jahre 1926 galt die Bezeichnung Kurort Hartha-Hintergersdorf mit Spechtshausen. 

Im gleichen Jahr richtete die Reichsbahn-Arbeiter-Pensionskasse III Dresden ein Frauenerholungsheim in der Villa "Harthaberg" ein. Als Erholungsort und Sommerfrische wurde damals auch Fördergersdorf mit einem Ortsteil an Spechtshausen bezeichnet sowie als Sommerfrische und Luftkurort schon seit 1900 die Gemeinde Grillenburg im Tharandter Wald. Die Gemeinde Kurort Hartha - Hintergersdorf wurde 1933 zum Kurort Hartha (seitdem amtlicher Ortsname) erhoben. Kurkonzerte fanden im Kurhaus und am Musikpavillon des Kurparkes statt. Das vorhandene Luft- und Sonnenbad wurde neu errichtet. Die jährlichen Besucherzahlen schwankten 1926-30 zwischen 1083 und 1376 Personen. Es standen 7 Hotels und 47 Privatvermieter mit 290 Betten zur Verfügung. Ende des II. Weltkrieges blieb Kurort Hartha ab 1945 ein Erholungsort. Das Kindererholungsheim musste jedoch als Schule (heute: Grundschule) genutzt werden. Im Reichsbahnerholungsheim entstand ein Betriebsgenesungsheim der Deutschen Reichsbahn mit dem Namen "Otto Rehschuh" (nach Erweiterung 75 Plätze) und im Hotel "Forsthaus" ein FDGB-Ferienheim. Zahlreiche Gasthäuser wurden Betriebsferienheime.

Das VdN-Kurheim "Elsa Fenske" mit 40 Plätzen entstand neu im "Neuen Jägerhaus" der Jagdhausanlage Grillenburg. Als Kurarzt fungiert seit 1960 der ortsansässige Allgemeinmediziner Dr. med. Däßler. 592 Betten waren in den Privatunterkünften (104) und Ferienheimen vorhanden. Des Weiteren standen 550 Gaststättenplätze (davon 114 außen) zur Verfügung. An sonnigen Wochenenden wurden 20.000 Naherholungssuchende im Tharandter Wald gezählt. Die Gästezahlen betrugen ca. 6.500 - 7.500 Personen pro Jahr. 1973 erfolgte die Prädikatisierung von Kurort Hartha als staatlich anerkannter Erholungsort. Im gleichen Jahr fand die Eingemeindung von Fördergersdorf, Grillenburg und Spechtshausen nach Kurort Hartha statt. Eine Zentrale Kurverwaltung des Gemeindeverbandes Tharandt mit Sitz in Kurort Hartha bestand in den Jahren 1977-90. Nach 1990 wurden alle Kureinrichtungen sowie zahlreiche Gasthäuser und Ferienheimen geschlossen. Trotzdem gründete sich in Kurort Hartha schon in diesem Jahr ein Fremdenverkehrsverein und die Gemeindeverwaltung übernahm die Zentrale Kurverwaltung als Fremdenverkehrsamt.

Mit dem Neubau der Waldbühne begann die zukunftsweisenden kommunalen Infrastrukturmaßnahmen für die künftige Kurortentwicklung. In Spechtshausen entstand eine moderne private Physiotherapie. Die Bettenzahl sank zunächst 1990 bis 1994 von ca. 420 auf 290 und die Besucherzahl im Jahre 1995 lag bei ca. 8.700 Personen bei ca. 390 Betten, jedoch mit einer kurzen Aufenthaltsdauer. Der Gemeinderat fasste 1996 den Beschluss zur Entwicklung als Kneipp-Kurort und bestätigte das Kurortentwicklungskonzept. Als Heilanzeigen wurden Herz-Kreislauferkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates vorgeschlagen. Ein vorläufiger Bestandsschutz als Erholungsort besteht bis 2004. Die Gründung eines Kneipp-Vereines, der Bau von Kneipp-Kuranlagen und der Umbau des "Sonnenbades" sowie regelmäßige "Gesundheitswochen" bzw. "-wochenenden" sind erste Schritte in Richtung Kneipp-Kurort. Eine Klimastation am Gemeindeamt erfasst die notwendigen Messwerte für das erforderliche Klimagutachten. Im Rahmen des Kurortentwicklungskonzeptes entstanden auch erste Planungen für den Bau eines zentralen Kurmittelhauses, das in den nächsten Jahren errichtet wird. In Bad Elster prüfte das Balneologische Institut inzwischen das Konzept für die Terrainkurwege, das jetzt umgesetzt werden kann. Die Anzahl der Gasthäuser erreichte schon 1998 wieder den Stand von 1990.

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Postmeilensäulen und Meilensteine
- André Kaiser, Kurort Hartha -

Im Jahre 1721 befahl August der Starke die Errichtung von steinernen Postsäulen. Sie sollten in Kursachsen und allen Provinzen auf Kosten der jeweiligen Grundeigentümer errichtet werden. Die Generalvollmacht für die Realisierung dieses Großprojektes übertrug er dem Pfarrer Magister Adam Friedrich Zürner, der zum Land- und Grenzkommissar ernannt wurde. Mit der Vermessung Kursachsens schuf Zürner die Basis für die Aufstellung der Postmeilensäulen in Form von Viertelmeilensteinen, Halb- und Ganzmeilensäulen an den Poststraßen sowie Postdistanzsäulen vor den Toren bzw. auf zentralen Plätzen der Städte. Er hatte eigens dafür ein Meßgerät konstruiert, welches die Entfernungen in Dresdner Ruten angab, die dann in Postmeilen bzw. die damals üblichen Wegstunden umgerechnet wurden (1.000 Ruten = 1/2 Meilen = 1 Wegstunde = 4,531 km). So tragen die Kursächsischen Postmeilensäulen Entfernungsangaben in Stunden (St.) bis auf 1/8 Stunde (0,566375 km) genau.

Eine "Acta, Die allergnädigst anbefohlene Anschaffung und Sezung der steinernen Post- und Distanz Seulen im Ambtte Grüllenburg betre...Städt. Tharand ..." im Sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden gibt über diesen Vorgang im damaligen Amt Grillenburg Auskunft. Der Grillenburger Vice-Oberforst- und Wildmeister Kammerjunker Julius Ernst von Altmannshoffen und der Amtsschösser Gottfried Heinrich Pauli berichteten Zürner im Frühjahr 1723, daß nach der Vermessung der Poststraßen nur eine Postmeilensäule im Amt Grillenburg zu errichten sei und zwar an der Poststraße, zwischen Naundorf und Freiberg, auf dem Grundstück vom Besitzer des Mühlengutes (heute: "Steyermühle" an der B 173) Johann Christoph Barsch aus dem Amtsdorf Naundorf. Für diese Halbmeilensäule forderten sie eine Zeichnung an. Herr Barsch wollte den Auftrag für die Säule dem Steinmetz Friedrich Feyer aus Freiberg geben. Seine Unkosten für die Fertigung der Säule aus Herrndorfer Sandstein (Ortsteil von Hetzdorf) durch den Steinmetz Feyer und deren Aufstellung werden von Barsch in einer "Specification" vom 28. Dezember 1723 mit insgesamt 15 Thalern und 17 Groschen dem Amt Grillenburg zur Kenntnis gegeben.

Die Postmeilensäulen zwischen Dresden und Freiberg sind noch in den Meilenblättern um 1800 nachweisbar. Heute sucht man sie jedoch vergebens. Die alte Poststraße wurde durch die 1811/13 unter Napoleon angelegte "Hofer Chaussee" (B 173) abgelöst. Da der Postkurs bis 1833 nur über die Poststation Herzogswalde und nicht durch den Tharandter Wald führte, wurden im Tharandter Wald keine Kursächsischen Postmeilensäulen aufgestellt. Über die Errichtung der Postdistanzsäule in Tharandt berichtet das im Stadtarchiv von Tharandt vorhandene Stadtkassenbuch aus dem Jahre 1731. Darin werden Kosten von 56 Thalern, 8 Groschen und 8 Pfennigen "... Wegen der Erbauung der Distants Säulen alhier." aufgeführt. Eine Zeichnung von Johann Friedrich Wilhelm Müller zeigt die Tharandter Postdistanzsäule 1811 am Markt, wo heute die Schillerstraße beginnt. 1833 erfolgte die Verlegung der Posthalterei von Herzogswalde nach Tharandt und damit auch des Postkurses auf die 1826/28 gebaute Dresden-Freiberger-Chaussee (heute Ferienstraße "Silberstraße"), durch den Tharandter Wald. Mit der Einführung der kleinen Meile (7,5 km) als Entfernungsangabe 1840 im Königreich Sachsen schlug die letzte Stunde der Postmeilensäulen.

Der Tharandter Postmeister Carl August von Oehlschlägel ließ die schon beim Chausseebau abgetragene Postmeilensäule in Tharandt als "Postmeistersäule" mit neuen Inschriften wieder auf dem Markt errichten. Eine Zeichnung von C. W. Arldt zeigt sie dort um 1835. Nur das Wappenstück wurde nicht mehr verwendet, sondern der Gedenksäule am Buchenweg aufgesetzt, die noch heute an die Vermessung des Tharandter Waldes in den Jahren 1735/40 erinnert. Die "Postmeistersäule" in Tharandt verschwand nach der Verlegung des Postkurses auf die Eisenbahn 1862 wieder vom Markt und wurde um 1870 zum Hausbau verwendet. Das Wappenstück tauchte jedoch um 1880 wieder auf und wurde um 1895 zusammen mit einer Sandsteinkrone, die vom Forstdenkmal am Buchenweg stammte, in einem Privatgrundstück gegenüber dem Tharandter Stadtbad-Hotel aufgestellt. In dieser Form erfolgte dann 1927 die Umsetzung in den Stadtpark. Dort erkannte der Freitaler Heimatforscher Edgar Rudolph das Wappenstück der Postmeilensäule wieder. 1959/64 wurde die Postmeilensäule vom Tharandter Bildhauermeister K. Wolf bis auf das historische Wappenstück neu angefertigt und im Stadtpark aufgestellt, wo sie noch heute zu finden ist.

Ab 1859 errichtete man statt der Postmeilensäulen Königlich-sächsische Meilensteine in Form von Stations-, Ganz-, Halb-, Abzweig- und Grenzübergangssteinen an den Poststraßen im Königreich Sachsen, die dann bis zur Einführung des Urmeters 1873/75 Bestand hatten. In Tharandt stand ein Stationsstein am Markt, neben der Schloitzbachbrücke, gegenüber der Einmündung der Schillerstraße und ein Abzweigstein am Anfang der Freiberger Straße, gegenüber der heutigen Fleischerei Rüger, ebenfalls an der Schloitzbachbrücke. Diese Meilensteine wurden vor dem Hochwasser von 1897 auf Fotos festgehalten und sind bis heute nicht wieder aufgetaucht. Entsprechend den Vermessungsunterlagen befanden sich des Weiteren u. a. Halbmeilensteine bei Hartha und zwischen Grillenburg und Naundorf sowie ein Ganzmeilenstein zwischen Hartha und Grillenburg am Postkurs, im Zuge der Dresden-Freiberger-Chaussee, im Tharandter Wald.

Doch nur ein Ganzmeilenstein in Naundorf (Gemeinde Bobritzsch), am Rande des Tharandter Waldes, blieb bis heute erhalten. Er wurde 1994 geborgen und zwei Meter entfernt vom Originalstandort neu aufgestellt sowie eine Erläuterungstafel in der Nähe angebracht. Ein Jahr später konnten zwei originalgetreue gußeiserne Kronen eingesetzt werden. Die Gußkronen beschaffte die Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e. V. und von der Gemeinde Naundorf finanziert. Die Erläuterungstafel ließ der Fremdenverkehrsverband "Sächsischer Forst - Tharandter Wald" e. V. anfertigen.

Wer heute auf den Spuren der Kursächsischen Postmeilensäulen wandeln möchte, dem sei ein Besuch der historischer Poststraße zwischen Dohna und der Grenze zu Tschechien empfohlen. Dort blieb die "Alte Dresden-Teplitzer-Poststraße" weitgehend original mit fast allen Postmeilensäulen erhalten. Unweit dieser Strecke soll noch in diesem Jahr eine Dauerausstellung zu den Kursächsischen Postmeilensäulen und auch den Königlich-sächsischen Meilensteinen im Osterzgebirgsmuseum Schloß Lauenstein eröffnet werden. Neben originalen Reststücken und Dauerleihgaben das Postmuseums Berlin und weiterer Museen, können dort u. a. ein Messgerät, eine Messkarre und ein Modell des Messwagens von Zürner sowie die Nachbildung einer Postkutsche aus dem 18. Jh. besichtigt werden. Die Stadt Tharandt übergab auf Anregung der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e. V. dem Museum für diese Ausstellung eines der zwei erhaltenen Stadtkassenbücher von 1731 als Dauerleihgabe.

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Der Pohrsdorfer Rand - Die Zeidlergemeinde von Fördergersdorf
- André Kaiser, Kurort Hartha -

Der Pohrsdorfer Rand von Fördergersdorf in der Ortschaft Kurort Hartha befindet sich in der Ortslage der Ortschaft Pohrsdorf. Er erstreckt sich entlang des Saubaches an der Pohrsdorfer Dorfstraße von der Landbergstraße in Spechtshausen bis zur Pohrsdorfer Windmühlenstraße. Dazu gehört auch das neue Wohngebiet "Glückswiese". Für einen Ortsunkundigen ist der Pohrsdorfer Rand scheinbar ein Bestandteil der Ortschaft Pohrsdorf. Ein Blick in die Vergangenheit erklärt diesen Umstand:

Die Geschichte des Pohrsdorfer Randes beginnt schon um 1300. Eine heute nicht mehr auffindbare Urkunde soll den Hinweis enthalten, dass "die Häuser östlich von Pohrsdorf nach Gersdorf eingekircht sind" (Gersdorf = Fördergersdorf), während Pohrsdorf zum Zeitpunkt seiner ersten Erwähnung 1349 in Grumbach eingepfarrt war. Wie der Dorfhainer Chronist und Familienforscher Rudolf Schmelzer herausfand, siedelten damals Zeidler (Imker, welche die Waldbienenzucht betrieben und Waldaufseher) am nordwestlichen Rand der Gemarkung Fördergersdorf, damals noch direkt am Tharandter Wald. Die Siedlung mit Grundstücken von 6 ½ Hufen* Land wurden als Oberdorf bezeichnet. Sie bildete mit dem Unter- bzw. Niederdorf eine Gemeinde, die aber jeweils über einen eigenen Ortsrichter verfügten. Beide Ortsteile gruppierten sich anfangs um das obere bzw. niedere "Leithengut".

Den oberen Abschluß von Pohrsdorf bildete bis zur Zerstörung durch die Hussiten 1429/30 eine Burganlage gegenüber dem Pohrsdorfer Rand, im Bereich des heutigen Vierseithofes der Fam. Brendel, am Kirchweg. Sie diente wahrscheinlich zum Schutz eines Pilger- und Handelsweges zwischen Meißen und Böhmen, wie Raimund Adam vom Tharandter Burgen- und Geschichtsverein e. V. vermutet. Der Burgwall ist noch auf dem Meilenblättern um 1800 eingezeichnet. Im Jahre 1403 werden die "Czideler" von Fördergersdorf erstmals urkundlich erwähnt und 1550 im Tharandter Amtserbbuch mit 6 Bauern als Zeidler im Oberdorf von Fördergersdorf genannt. 1551 verzeichnet man "7 besessene Mann und 12 Inwohner" als "De Zeydeler".

Ab 1596 befand sich der Sitz des Zeidelrichters im heutigen Grundstück der Fam. Seifert, Landbergstraße 19, in Spechtshausen und ab 1691 ist er in Fördergersdorf zu finden. Der Zeidelrichter fungierte als Ortsrichter für die Zeidlergemeinde von Fördergersdorf und die 1542 erstmals erwähnten sieben Harthaer Zeidler. Herr Schmelzer entdeckte bisher folgende Zeidelrichter in den Unterlagen der Fördergersdorfer Kirchgemeinde: Andreas Sparmann (gest. 1664), Michael Sparmann sen. (gest. 1691), Michael Sparmann jun., J. Gotthelf Töpfer (1806-25) und J. Gottlob Töpfer (ab 1825).

Im September 1790 umfaßt die Zeidlergemeinde im "Ambt Gryllenburg 4 Hüfner, 3 Halbhüfner, 4 Gärtner, 9 Häusler mit 6 ½ Spann- eben so viel Magazinhufen, 7 Hufen 10 ½ Marschh. und 10 Stück Zugvieh". Sie dürfte sich damals schon, neben dem Pohrsdorfer Rand, auf Fördergersdorfer Flur, entlang der Landbergstraße in der Ortslage von Spechtshausen, bis zum Pfarrbusch erstreckt haben. 1816 besteht die Zeidlergemeinde mit den Häusern "an Porsdorf" und Spechtshausen, aus 16 Häusern, darunter 7 Güter mit 6 ½ Hufen, und einer anderen Nachricht folgend nur 9 Häusern, wie A. Schiffner (Leipzig) 1840 niederschrieb. Er erwähnte dabei auch, dass diese Zeidlergemeinde nicht in "Oberreits Charte" verzeichnet ist. Schumanns Lexikon nennt 1823 fünf Häuser in Pohrsdorf unter dem "Amt Grüllenburg", die zu "Vördergersdorf in die Kirche" gehören, auch "Vördergersdorf an Porsdorf" genannt. Erst 1834 wurden die Fördergersdorf Niedergemeinde und die Zeidler- oder obere Gemeinde endgültig vereinigt. Noch heute ist im Ortswappen von Fördergersdorf, was weiterhin die FFW des Ortsteiles führt, auch noch ein Bienenkorb zu finden, der an die Zeidler erinnert

* In der Ortschronik von Dorfhain werden drei verschiedene Hufenmaße erwähnt, die kleine flämische Hufe mit rund 13 ½ ha, die fränkische Hufe mit durchschnittlich 23 ha und die fränkische Zweidrittelhufe mit knapp 19 ha.)

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Omnibuslinie Freital - Frauenstein, ein Rückblick auf Verkehrsgeschichte unserer Heimat
- Gunter Baumann, Kurort Hartha -

Eine regionale Verkehrsverbindung hat im Jahre 2004 Jubiläum. Sie verbindet seit 40 Jahren den Industriestandort Freital mit dem im Osterzgebirge liegenden Städtchen Frauenstein und durchquert dabei ein landschaftlich sehr reizvolles und abwechslungsreiches Stück Heimat.

Betrieben wird die Linie heute von der am 06.12.1991 gegründeten Regionalverkehr Dresden GmbH (RVD). Seit Mai 1998 verkehren im Auftrag der RVD auch Omnibusse der Fa. Schelle-Reisen auf einigen Fahrten.

Zu jeder Jahreszeit hat die Strecke besonders für Ausflügler ihre Reize. Ausgangspunkt der Tour ist der ca. 170 Meter über dem Meeresspiegel liegende neue Busbahnhof, der Mitte Juni 2002 eingeweiht worden ist. Für den dort auf den Bus wartenden Fahrgast erhebt sich das Wahrzeichen Freitals, der Windberg, zu einer eindrucksvollen Kulisse. Die ersten Kilometer der Reise führen durch das Stadtgebiet von Freital entlang der stark frequentierten Dresdner Straße.

Ab Freital-Hainsberg folgt der Bus dem tief eingeschnittenen und bewaldeten Tal der Wilden Weißeritz bis Tharandt. Hier verlässt die Buslinie die sie bis zur Forststadt begleitende Bahnlinie Dresden - Chemnitz. Der erste längere Anstieg führt den Reisenden aus dem ihn bisher umgebenden Tal heraus. Früher über den Zeisiggrund, heute durch Kurort Hartha. An der Haltestelle Kurort Hartha Siedlung werden 369 Höhenmeter erreicht. Über eine kurvenreiche, hügelige Strecke durch den Tharandter Wald kommt der Bus an eine Waldlichtung mit dem Ort Grillenburg. Hier biegt die Strecke nach Süden in Richtung Osterzgebirge ab. Nach weiteren drei Kilometern Fahrt durch den Tharandter Wald überquert der Bus die Bahnlinie Dresden - Chemnitz und erreicht Klingenberg, das an dieser Stelle 443 Meter über dem Meeresspiegel liegt.

Die Reise wird nun über Colmnitz und Pretzschendorf fortgesetzt. Diese Gegend ist hauptsächlich von der Landwirtschaft geprägt. Alleeartig wird die Straße kilometerlang von teils gewaltigen Laubbäumen gesäumt. Am Ortsausgang von Pretzschendorf gibt der Blick durch die Frontscheibe die Sicht auf das Reiseziel Frauenstein frei. Das Erzgebirge mit vielen bewaldeten Bergkuppen liegt vor den Fahrgästen. Die nächste Haltestelle befindet sich in Friedersdorf. Deutlich zu erkennen ist hier schon der Erzgebirgscharakter der Ortschaft. Weiter geht die Fahrt entlang der Bobritzsch, vorbei an Hartmannsdorf nach Kleinbobritzsch, dem Geburtsort des berühmten Orgelbauers Gottfried Silbermann. Das Ziel vor Augen, hat der Bus nun auf den letzten drei Kilometern noch eine Steigung bis auf etwa 650 Höhenmeter zu erklimmen. Dabei gut zu erkennen auf der linken Seite die weit in das Land hinein sichtbare Burgruine.

Die abwechslungsreiche Busreise auf der Linie 363 endet nach ca. 40 Kilometern am gepflegten und für unterschiedliche Veranstaltungen genutzten Markt von Frauenstein, in dessen Zentrum sich das Kirchengebäude erhebt. Der zu Fuß nach wenigen Minuten zu erreichende Hauptturm der Burgruine ("Dicker Merten") ermöglicht einen beeindruckenden Blick über die heimische Landschaft. Von dort lässt sich ein großer Teil der soeben mit dem Bus in gut 1 ¼ Stunden zurückgelegten Strecke nachverfolgen. Selbst der Windberg, nun allerdings zu den Füßen des Betrachters liegend, kann bei guter Sicht erspäht werden.

Die Wurzeln der Jubiläumslinie liegen aber viel weiter in der Vergangenheit zurück. 1898 nahm die Schmalspurbahn zwischen Klingenberg-Colmnitz und Frauenstein ihren Dienst auf. Gemeinsam mit anderen Bahnen dieser Art hatte sie nach dem Ende des 2. Weltkrieges entscheidenden Anteil daran, den Neuaufbau der Wirtschaft in unserer Region voranzubringen.

Neben dem Gütertransport spielte auch die Beförderung von Personen eine wichtige Rolle. Der Kraftverkehr war in den ersten Jahren des Wiederaufbaues durch Mangel an einsatzfähigen Fahrzeugen kaum in der Lage, seine Aufgaben zu erfüllen. Mit überalterten Fahrzeugen kam der Personenverkehr bis 1950 sehr langsam und nur auf ausgewählten, sehr wichtigen Strecken in Gang. Neuanschaffungen waren nicht möglich. Auch die Anmietung von Omnibussen privater Transportunternehmer brachte nur bedingt Entlastung. 1953 kamen die ersten sieben größeren Omnibusse aus Ungarn bei uns als Neufahrzeuge zum Einsatz. Der Ikarus 601 verfügte über 38 Sitz- und bis zu 18 Stehplätze. Ein 6-Zylinder-Csepel-Dieselmotor mit 125 PS Leistung trieb die mit einer Gepäckgalerie auf dem Dach ausgerüsteten Überlandbusse an. Neben weiteren Importfahrzeugen verbesserte sich die Situation im Bereich des Personentransportes vor allem mit dem aus heimischer Produktion stammenden H 6 B, der zwischen 1954 und 1959 gebaut wurde. Allein 1959 fertigte man 405 dieser als robust und zuverlässig geltenden Omnibusse.

Zur Absicherung des Berufsverkehres im Drei-Schicht-Betrieb mussten Werkverkehre mit Omnibussen eingerichtet werden. Das private Fuhrunternehmen aus Freital-Deuben, Walter Vollkomm, verfügte über drei Hauben-Omnibusse vom Typ Opel-Blitz und übernahm bis etwa 1959 den vertragsgebundenen Werkverkehr für das Edelstahlwerk. Jeweils zu den Schichtzeiten beförderte er die Mitarbeiter des Stahlwerkes zwischen Freital und Burkersdorf. Nach Auflösung des Vertrages mit Walter Vollkomm befuhren Omnibusse des Kraftverkehres die gleiche Strecke. Zum Einsatz kamen Fahrzeuge aus Ungarn vom Typ Ikarus 30, die am Bahnhof von Frauenstein stationiert waren. Die etwa 8,6 Meter langen und für damalige Verhältnisse in moderner Frontlenkerbauweise, auch Trambus genannt, konstruierten Fahrzeuge verfügten in der Überland-Variante über 31 Sitzplätze. Ein rechts neben dem Fahrer über der Vorderachse angeordneter und maximal 85 PS leistender Dieselmotor, der in Lizenz der Fa. STEYER gebaut werden durfte, gestattete eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h.

Durch Bauarbeiten an den Gleisanlagen bestand häufig die Notwendigkeit, die Kleinbahn im Schienenersatzverkehr betreiben zu müssen. Auch waren die Fahrzeiten der Omnibusse wesentlich attraktiver für den Fahrgast. Im Ergebnis von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen fasste der Ministerrat der DDR am 14.05.1964 den Beschluss, das Schmalspurstreckennetz der Deutschen Reichsbahn zu reduzieren. Das betraf in unserer Region die Strecken Freital - Mohorn und Frauenstein - Klingenberg-Colmnitz. Die Reduzierungen im Schmalspurbetrieb hatten zur Folge, dass zur Sicherung des Berufsverkehrs im Drei-Schicht-Betrieb weitere Werkverkehre mit Omnibussen eingerichtet werden mussten. Aus dem vertragsgebundenen Werkverkehr zwischen Burkersdorf und Freital entstand am 27.09.1964 zwischen Frauenstein (Markt) über Pretzschendorf, Klingenberg, Grillenburg, Tharandt und Freital (Platz des Friedens) die Kraftomnibuslinie R-363, die zunächst den Schichtzeiten der Stahlwerker im VEB Edelstahlwerk Freital angepasst wurde. An Sonn- und Feiertagen trug der Fahrplan den Wünschen der Ausflügler Rechnung. Voraussetzung für die neue Kraftomnibuslinie nach Frauenstein, wie auch die zeitgleich eröffnete nach Mohorn, waren neu erworbene Omnibusse des Typs Ikarus 630. Die Linie R-363 existierte jedoch schon ab 31.05.1964, führte aber bei einigen Fahrten über Frauenstein hinaus bis nach Altenberg. In Frauenstein bestand außerdem Anschluss bei zwei Fahrten an die für den Sommerbetrieb geschaffenen Eillinie T-225. Diese Linie, die durch verschiedene Ferienregionen führte, war hauptsächlich für den Touristenverkehr zwischen Karl-Marx-Stadt und Altenberg konzipiert, musste aber bald wegen Unrentabilität eingestellt werden. Letztmalig gab es im Sommer 1966 eine direkte Verbindung zwischen Freital und Altenberg auf der Linie R-363. Für die Absicherung der Fahrten zwischen Montag und Freitag waren zwei Fahrzeuge erforderlich, wobei die Auslastung der Busse meist sehr hoch war. 

Ab 26.09.1965 erfolgte die Kassierung des Fahrgeldes durch die Chauffeure, Schaffner waren nicht mehr notwendig. In den Anfangsjahren kamen vom Betrieb Freital der H 6 B, gefahren von Gerhard Ermel und Helmar Neubert, sowie der Ikarus 601 bzw. der Ikarus 630, gefahren von Johannes Berndt und Heinz Beyer vom Betrieb Dippoldiswalde, zum Einsatz. Der Ikarus 601 konnte bis zu 60 Fahrgäste transportieren. Durch gezielte Weiterentwicklung des Ikarus 601 entstand der Typ 630. Diese Omnibusse verfügten bereits über einen 145 PS leistenden Dieselmotor sowie über 37 Sitzplätze und gefielen durch ein modernes äußeres Erscheinungsbild. Der Freitaler H 6 B wurde bald durch einen Ikarus 66.61 aus Dippoldiswalde mit luftgekühltem 6-Zylinder Csepel-Motor abgelöst, dessen Geräuschentwicklung unverkennbar war. Die Ausstiegstür befand sich vor dem Heckmotor. Mit diesen Fahrzeugen endete die Zeit der Trambusse, bei denen sich der Motor rechts neben dem Fahrer und über der Vorderachse befand. 40 Sitzplätze und etwa 30 Stehplätze standen den Fahrgästen im moderneren Ikarus 66.61 zur Verfügung. Stammfahrer waren Herbert Zönnchen und Eberhard Liebscher, ab ca. 1969 Klaus Finger und Klaus Pomplun. Den Ikarus 630 löste man etwa 1969 durch einen Ikarus 66.62 ab. Bei dieser Version befindet sich die Ausstiegstür etwa in der Mitte des Wagens. Ungefähr ein Jahr später tauschte man den original Csepel-Motor gegen einen in Schönebeck hergestellten 190 PS leistenden Motor aus. Die nun zusätzlich abrufbaren 45 PS machten sich besonders an längeren Steigungen wohltuend bemerkbar. Die Erprobung des im VEB Dieselmotorenwerk Schönebeck aus dem H 6-Motor weiterentwickelten Modells erfolgte auch in einem Ikarus 55 des VEB Kraftverkehr Annaberg-Buchholz, der täglich etwa 400 Kilometer auf der anspruchsvollen Gebirgsstrecke zwischen Dresden und Annaberg-Buchholz pendelte. Auf der Frühjahrsmesse 1969 konnte man den neuen Motor vorstellen. Als Serienprodukt kam das neue, begehrte Erzeugnis in Landmaschinen und in Bussen der Typen Ikarus 55 u. 66 zum Einsatz.

Auch auf der Linie Freital - Frauenstein wurde ab 1972 ein Neufahrzeug vom Typ Ikarus 55 genutzt. Dieser Bus gehörte zu den letzten Fahrzeugen dieser Art, die man in Ungarn fertigte. Sie verfügten nicht mehr über die sonst für diesen Fahrzeugtyp übliche Dachrandverglasung. Bei einer Theaterfahrt 1974 kam es am Possendorfer Berg zu einem Motorbrand. Die dadurch notwendig gewordene Teilinstandsetzung führte auch hier zum Einbau des zuverlässigeren und leistungsstärkeren Motors aus Schönebeck. Wegen Gerippebruches und starken Rostschäden musste dieser Omnibus im Mai 1981 aus dem Verkehr gezogen werden.

1975 gaben die Kollegen Berndt und Beyer ihren in die Jahre gekommenen Ikarus 66.62 ab, mit dem sie gut 900 000 Kilometer zurückgelegt hatten. Als Ersatz gab es einen fabrikneuen Ikarus 255. Für ein zügiges Vorankommen sorgte ein stehend im Heck angeordneter, 192 PS leistender Dieselmotor. Dieses moderne und mit bisher ungewohnt großen Scheiben ausgestattete Fahrzeug gehört zu einer ganzen Familie neu entwickelter Baumuster mit zeitgemäßen technischen Parametern. Ein höherer Fahrkomfort und deutlich verbesserte Nutzungseigenschaften prägten die nun mehr und mehr auf den Straßen zu beobachtenden Omnibusse. So wundert es nicht, dass Johannes Berndt gemeinsam mit Heinz Beyer und nach dessen Tod gemeinsam mit Klaus Pomplun im August 1981 eine Million gefahrene Nutzkilometer erreichen konnten. Beide Fahrer wurden für diese Leistung auf der Linie R-363 von der Betriebsleitung Dippoldiswalde beglückwünscht und erhielten aus Dank und Anerkennung Präsente.

Durch Bauarbeiten an den Gleisanlagen bestand häufig die Notwendigkeit, die Kleinbahn im Schienenersatzverkehr betreiben zu müssen. Auch waren die Fahrzeiten der Omnibusse wesentlich attraktiver für den Fahrgast. Im Ergebnis von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen fasste der Ministerrat der DDR am 14. Mai 1964 den Beschluss, das Schmalspurstreckennetz der Deutschen Reichsbahn zu reduzieren. Das betraf in unserer Region die Strecken Freital - Mohorn und Frauenstein - Klingenberg-Colmnitz. Die Reduzierungen im Schmalspurbetrieb hatten zur Folge, dass zur Sicherung des Berufsverkehrs im Drei-Schicht-Betrieb weitere Werkverkehre mit Omnibussen eingerichtet werden mussten.

Aus dem vertragsgebundenen Werkverkehr zwischen Burkersdorf und Freital entstand am 27. September 1964 zwischen Frauenstein (Markt) über Pretzschendorf, Klingenberg, Grillenburg, Tharandt und Freital (Platz des Friedens) die Kraftomnibuslinie R-363, die zunächst den Schichtzeiten der Stahlwerker im VEB Edelstahlwerk Freital angepasst wurde. An Sonn- und Feiertagen trug der Fahrplan den Wünschen der Ausflügler Rechnung. Voraussetzung für die neue Kraftomnibuslinie nach Frauenstein, wie auch die zeitgleich eröffnete nach Mohorn, waren neu erworbene Omnibusse des Typs Ikarus 630.

Die Linie R-363 existierte jedoch schon ab 31. Mai 1964, führte aber bei einigen Fahrten über Frauenstein hinaus bis nach Altenberg. In Frauenstein bestand außerdem Anschluss bei zwei Fahrten an die für den Sommerbetrieb geschaffene Eillinie T-225. Diese Linie, die durch verschiedene Ferienregionen führte, war hauptsächlich für den Touristenverkehr zwischen Karl-Marx-Stadt und Altenberg konzipiert, musste aber bald wegen Unrentabilität eingestellt werden. Letztmalig gab es im Sommer 1966 eine direkte Verbindung zwischen Freital und Altenberg auf der Linie R-363.

Für die Absicherung der Fahrten zwischen Montag und Freitag waren zwei Fahrzeuge erforderlich, wobei die Auslastung der Busse meist sehr hoch war. Ab 26.September 1965 erfolgte die Kassierung des Fahrgeldes durch die Chauffeure, Schaffner waren nicht mehr notwendig. In den Anfangsjahren kamen vom Betrieb Freital der H 6 B, gefahren von Gerhard Ermel und Helmar Neubert, sowie der Ikarus 601 bzw. der Ikarus 630, gefahren von Johannes Berndt und Heinz Beyer vom Betrieb Dippoldiswalde, zum Einsatz. Der Ikarus 601 konnte bis zu 60 Fahrgäste transportieren. Durch gezielte Weiterentwicklung des Ikarus 601 entstand der Typ 630. Diese Omnibusse verfügten bereits über einen 145 PS leistenden Dieselmotor sowie über 37 Sitzplätze und gefielen durch ein modernes äußeres Erscheinungsbild. Der Freitaler H 6 B wurde bald durch einen Ikarus 66.61 aus Dippoldiswalde mit luftgekühltem 6-Zylinder Csepel-Motor abgelöst, dessen Geräuschentwicklung unverkennbar war. Die Ausstiegstür befand sich vor dem Heckmotor. Mit diesen Fahrzeugen endete die Zeit der Trambusse, bei denen sich der Motor rechts neben dem Fahrer und über der Vorderachse befand. 40 Sitzplätze und etwa 30 Stehplätze standen den Fahrgästen im moderneren Ikarus 66.61 zur Verfügung. Stammfahrer waren Herbert Zönnchen und Eberhard Liebscher, ab ca. 1969 Klaus Finger und Klaus Pomplun.

Den Ikarus 630 löste man etwa 1969 durch einen Ikarus 66.62 ab. Bei dieser Version befindet sich die Ausstiegstür etwa in der Mitte des Wagens. Ungefähr ein Jahr später tauschte man den original Csepel-Motor gegen einen in Schönebeck hergestellten 190 PS leistenden Motor aus. Die nun zusätzlich abrufbaren 45 PS machten sich besonders an längeren Steigungen wohltuend bemerkbar. Die Erprobung des im VEB Dieselmotorenwerk Schönebeck aus dem H 6-Motor weiterentwickelten Modells erfolgte auch in einem Ikarus 55 des VEB Kraftverkehr Annaberg-Buchholz, der täglich etwa 400 Kilometer auf der anspruchsvollen Gebirgsstrecke zwischen Dresden und Annaberg-Buchholz pendelte. Auf der Frühjahrsmesse 1969 konnte man den neuen Motor vorstellen. Als Serienprodukt kam das neue, begehrte Erzeugnis in Landmaschinen und in Bussen der Typen Ikarus 55 u. 66 zum Einsatz.

Auch auf der Linie Freital - Frauenstein wurde ab 1972 ein Neufahrzeug vom Typ Ikarus 55 genutzt. Dieser Bus gehörte zu den letzten Fahrzeugen dieser Art, die man in Ungarn fertigte. Sie verfügten nicht mehr über die sonst für diesen Fahrzeugtyp übliche Dachrandverglasung. Bei einer Theaterfahrt 1974 kam es am Possendorfer Berg zu einem Motorbrand. Die dadurch notwendig gewordene Teilinstandsetzung führte auch hier zum Einbau des zuverlässigeren und leistungsstärkeren Motors aus Schönebeck. Wegen Gerippebruches und starken Rostschäden musste dieser Omnibus im Mai 1981 aus dem Verkehr gezogen werden.

1975 gaben die Kollegen Berndt und Beyer ihren in die Jahre gekommenen Ikarus 66.62 ab, mit dem sie gut 900 000 Kilometer zurückgelegt hatten. Als Ersatz gab es einen fabrikneuen Ikarus 255. Für ein zügiges Vorankommen sorgte ein stehend im Heck angeordneter, 192 PS leistender Dieselmotor. Dieses moderne und mit bisher ungewohnt großen Scheiben ausgestattete Fahrzeug gehört zu einer ganzen Familie neu entwickelter Baumuster mit zeitgemäßen technischen Parametern. Ein höherer Fahrkomfort und deutlich verbesserte Nutzungseigenschaften prägten die nun mehr und mehr auf den Straßen zu beobachtenden Omnibusse. So wundert es nicht, dass Johannes Berndt gemeinsam mit Heinz Beyer und nach dessen Tod gemeinsam mit Klaus Pomplun im August 1981 eine Million gefahrene Nutzkilometer erreichen konnte. Beide Fahrer wurden für diese Leistung auf der Linie R-363 von der Betriebsleitung Dippoldiswalde beglückwünscht und erhielten aus Dank und Anerkennung Präsente.

Die zunehmende Anzahl an Kraftomnibuslinien, die seit Anfang der 60er Jahre ihren Dienst aufnehmen konnten, verbunden mit den steigenden Fahrgastzahlen, machten Veränderungen im Bereich "Platz des Friedens" erforderlich.

Die Verteilung der Haltestellen auf mehrere Straßen war nicht länger hinnehmbar. Als Aufenthaltsraum für die Fahrer konnte nur ein ausgemusterter Dreiachs-Omnibus genutzt werden. Außerdem brauchte man dringend geeignete Abstellmöglichkeiten für den angewachsenen Fuhrpark. Eine erhebliche Verbesserung der Personenbeförderung, von der auch die Frauensteiner Linie profitierte, setzte mit der 1966 erfolgten Einweihung des Busbahnhofes in Freital an der ehemaligen Karl-Marx-Straße (heute Albert-Schweitzer-Straße) ein, damals noch ohne Zusatzeinrichtungen. Als Aufenthaltsraum für die Fahrgäste stand ein ausgedienter Kleinbahnwaggon zur Verfügung. Zwei nicht mehr verwendungsfähige Busanhänger baute man zu je einer Standkasse um. Später wurden diese provisorischen Einrichtungen durch einen Warteraum und zwei Standkassenhäuschen abgelöst.

Mangelerscheinungen bei Kraftstoff, Reifen und Ersatzteilen führten zunehmend zu Engpässen seit 1976. Bis 1989 ging die Verkehrsleistung des VEB Kraftverkehr Dresden um 20% zurück. Sinnvolle Einsparungen waren notwendig geworden. So ist zu erklären, dass die Fahrt der Linie R-363 um 18.20 Uhr von Freital Busbahnhof bis Pretzschendorf ab 23.05.1982 nicht mehr angeboten wurde. Einen gewissen Ersatz leistete die Eillinie T-400 Dresden - Annaberg-Buchholz, die bei Bedarf die Haltestelle Kurort Hartha Waldhäuser nur zum Aussteigen bediente.

Zunehmend kamen als Stammfahrzeuge zwischen Frauenstein und Freital ausschließlich Omnibusse der Serie 200 von Ikarus zum Einsatz. Dazu gehörte der ab 1982 als Neufahrzeug in Dienst gestellte und von Manfred Groß und Joachim Keilig gefahrene Ikarus 266. Ab 1988 setzte man einen Ikarus 260.43 ein. Im Gegensatz zu Ikarus 266 verfügte dieser über Luftfederung. Der gleichfalls 192 PS leistende Motor, aber liegend angeordnet, befand sich zwischen den Achsen und nicht im Heck. Gefahren wurde dieser Omnibus unter anderem von Hugo Krowke und Torsten Göhler. Bis zur Wende 1989 nutzten hauptsächlich die zahlreichen Werktätigen und Schüler die Busse des VEB Kraftverkehr Dresden, der seit 1971 in den VEB Kraftverkehrskombinat eingegliedert war.

Den letzten neuen Ikarus für den Betrieb Dippoldiswalde lieferte man 1990 aus. Es war ein Ikarus 263, der bis April 1993 auf der Linie 363 seinen Dienst versah. Der luftgefederte 12 Meter-Bus verfügte über einen liegend angeordneten Mittelmotor. Eine an der Hecktür befindliche große Plattform ermöglichte problemlos die Mitnahme von Kinderwagen.

Mit der Wende verlor der damals größte Busproduzent der Welt, IKARUS, der 1985 rund 15.000 Einheiten herstellte, seine Bedeutung für uns. Schnell musterte man die Omnibusse der Serie 200 aus und beschaffte seit 1991 unter anderem Überlandbusse des Typs 292 ÜL bzw. 272 ÜL bei MAN in Salzgitter, die in den vergangenen Jahren das Bild auf der Linie Freital - Frauenstein bestimmten und noch heute bestimmen.

Die Landkreise Dippoldiswalde, Dresden und Freital gründeten am 6. Dezember 1991 die Regionalverkehr Dresden GmbH mit Sitz in Dresden, die nun für die Linie zuständig wurde.

>Ein großer Teil an den gegenwärtig zu befördernden Personen entfällt auf den Schülerverkehr. Das ist das Ergebnis der 1992 begonnenen Schulreform. Vielfach galt es, die Fahrten den Unterrichtszeiten anzupassen. Zunehmend übertrug man Fahrten der Linie 346 Freital - Grillenburg der Linie 363. Das hatte zur Folge, dass der Bus kaum noch über den Zeisiggrund zu fahren hatte und die Haltestelle Kurort Hartha Waldhäuser seltener als bisher bediente. Die Linienführung verlagerte sich nun zunehmend bei vielen Fahrten durch Kurort Hartha. Die seit 1952 bestehende Omnibusverbindung (Freital) Tharandt - Grillenburg wurde 1994 eingestellt.

Durch den Beitritt der RVD zum Verkehrsverbund Oberelbe gilt ab 24.Mai 1998 der Zonentarif (Oberelbetarif). Von diesem Zeitpunkt an wurde die Linie im Auftrag der RVD auch von Omnibussen des Typs Mercedes-Benz O 404 RH und in der Ferienzeit häufig auch von einem Kässbohrer-Setra S 315 UL, die der Firma Schelle-Reisen gehören, bedient. Ebenfalls seit Mai 1998 hat sich die Linienführung so geändert, dass in Freital nicht mehr am Backofenfelsen vorbeigefahren wird, sondern über Freital-Coßmannsdorf. Damit wurden die damals neu entstandenen Einkaufs- und Freizeiteinrichtungen des Weißeritzparkes besser mit dem Omnibus erreichbar.

Wegen geringer Auslastung verkehrt die Linie 363 am Wochenende überwiegend nur noch zwischen Frauenstein Markt und Freital-Coßmannsdorf Weißeritzpark. Zum Busbahnhof kann der Stadtverkehr genutzt werden. Diese Maßnahme wurde notwendig, da die erforderliche Betriebskostenhilfe des Landratsamtes gekürzt worden ist, so dass die RVD nicht mehr in der Lage war, die Unterdeckung auszugleichen.

Erfreulich für Fahrgäste und Fahrer, dass die RVD dennoch an der Fortsetzung der Modernisierung der Omnibusflotte festhielt. So wurde ab Herbst 1998 ein neuer Mercedes-Benz O 550 Integro auf der Linie 363 eingesetzt. Mit Klimaanlage ausgerüstet, wurde besonders an schönen Sommertagen die Fahrt zum Vergnügen. Stammfahrer waren Manfred Groß und Torsten Göhler. Leider entzog man der Frauensteiner Linie im April 2003 diesen schönen Bus und ersetzte ihn durch ein MAN-Niederflurfahrzeug. Dieser MAN erwies sich für den Einsatz auf unserer Omnibusverbindung als ungeeignet und wurde nach wenigen Wochen durch einen Mercedes-Benz O 408 des Baujahres 1991 abgelöst. Ein Unfall im Januar 2004 in Tharandt brachte auch für diesen Bus das Ende des Einsatzes. Seit dieser Zeit verkehrt zwischen Frauenstein und Freital regelmäßig ein MAN 272 ÜL.

Zum 21. August 2004 stellte die RVD ihre Linien im Osterzgebirge grundlegend um. Daher kam es auch zu einschneidenden Änderungen auf die Linie 363. Nur noch wenige Fahrten erfolgen gegenwärtig zwischen Frauenstein und Freital Busbahnhof. Häufig endet die Linie in Freital-Coßmannsdorf. Soll der Busbahnhof erreicht werden, ist ein Umsteigen in die Stadtlinie erforderlich. Zahlreiche Fahrten enden und beginnen auch an der neu eingerichteten Übergangsstelle am Bahnhof Tharandt. Dort steht für die Weiterfahrt die S-Bahn zur Verfügung. Für die ab 1998 zum vertrauten Bild gehörenden Fahrzeuge der Firma Schelle-Reisen kam mit der Fahrplanumstellung das Ende ihres Einsatzes zwischen dem Erzgebirgsstädtchen Frauenstein und der am Fuße des Windberges gelegenen Stadt Freital.

Bleibt der Jubiläumslinie auch weiterhin zu wünschen, dass sie zahlreiche zufriedene Fahrgäste in einer abwechslungsreichen Landschaft sicher und pünktlich an ihr Ziel bringt.